EU-Erkenntnis Bürger hadern weiter mit dem Euro

Die Skepsis gegenüber dem Euro ist in weiten Teilen Europas ungebrochen. Viele Verbraucher haben nach wie vor Schwierigkeiten mit der Gemeinschaftswährung, räumt die EU-Kommission nun ein. Verbraucherschützer machen dafür auch die schlechte Arbeit der Brüsseler Behörde verantwortlich.


Euro-Münzen: "Arbeit leisten und Lehren ziehen"
DPA

Euro-Münzen: "Arbeit leisten und Lehren ziehen"

Brüssel - EU-Währungskommissar Joaquin Almunia sprach auf einer Konferenz von "Anpassungsschwierigkeiten". So würden bei größeren Einkäufen wie der Anschaffung eines Autos oder einer Immobilie nur 19 Prozent der Verbraucher in Euro rechnen, bei kleineren Einkäufen nur etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent). "Wir müssen also noch einige Arbeit leisten und Lehren ziehen", sagte der Währungsexperte.

Der "Irrglaube", dass sich die Preise bei der Währungsumstellung erhöht hätten, greife zudem nun auch auf die neuen EU-Staaten über. Bei diesem Thema seien die nationalen Regierungen gefordert, sowohl in das Vertrauen der Menschen, als auch in Maßnahmen zur Preisüberwachung zu investieren.

Die zehn neuen EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum sind verpflichtet, den Euro einzuführen, wenn ihre Wirtschafts- und Währungslage dafür reif ist. Dies dürfte frühestens 2007 der Fall sein. Almunia sagte, bei einer möglichen Einführung des Euro in den neuen EU-Mitgliedstaaten müssten, sobald diese beschlossen sei, die Preise umgehend doppelt ausgeschrieben werden.

Vorwürfe von Verbraucherschützern

Der Direktor der Europäischen Verbrauchervereinigung, Jim Murray, kritisierte, bereits bei der Bargeld-Umstellung im Januar 2002 hätten die politisch Verantwortlichen die Augen vor den Schwierigkeiten verschlossen. "Insbesondere die psychologischen Aspekte wurden heruntergespielt, zum Beispiel die schwierige Umrechnung und Gewöhnung." Heute habe nach wie vor fast die Hälfte der Bürger der Euro-Zone Probleme mit der Währung.

Auch die Preiserhöhungen seien von offizieller Seite zu spät anerkannt worden. "Dabei waren sie deutlich sichtbar, etwa beim Frisör, im Restaurant oder der Reinigung", betonte Murray. Ein "Schuss ins Knie" seien überdies die ausgerechnet in der Übergangszeit verteuerten öffentlichen Dienstleistungen gewesen. Umberto Burani, Mitglied des EU-Wirtschafts- und Sozialausschusses - eines beratenden Gremiums -, bezeichnete die Informations-Kampagnen als "Misserfolg", da sie entweder zu früh oder zu spät gekommen seien.



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