EU-Pläne Schluss mit Gesundheits-Blabla auf Verpackungen

Die EU-Kommission will Lebensmittel-Konzernen offenbar verbieten, die gesunden Wirkungen ihrer Produkte auf der Verpackung anzupreisen. Weil auch die Fitness-, Diät- und "Light"-Labels in Gefahr sind, laufen die Lobbyisten bereits Sturm.


Rätselraten im Supermarkt: Wer weiß schon, welcher Joghurt wirklich gesund ist?
DPA

Rätselraten im Supermarkt: Wer weiß schon, welcher Joghurt wirklich gesund ist?

Brüssel - Die Drohung war schon einige Zeit im Raum. "Wir müssen sicherstellen, dass Ansprüche auf gesundheitsfördernde Wirkungen gut überprüft werden und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen," sagte David Byrne, EU-Kommissar für Verbraucherschutz, bereits im November. Einen entsprechenden Entwurf kündigte er für "Anfang nächsten Jahres an".

Nun hat Byrne seine Drohung wahr gemacht und damit für große Unruhe bei den Lebensmittel-Konzernen gesorgt. Die EU-Kommission wolle in Zukunft verstärkt auf die Richtigkeit der Hinweise auf Lebensmitteln achten, sagte Byrnes Sprecherin Beate Gminder. "Wo 'gesund' oder 'fettarm' draufsteht, muss auch gesundes und fettarmes drinsein", so Gminder. Hintergrund der Pläne ist ihren Angaben zufolge unter anderem die Fehlernährung und Übergewichtigkeit vieler europäischer Bürger.

Was so selbstverständlich klingt, könnte für große Lebensmittelhersteller wie Nestlé, Danone oder Kelloggs zu einem großen Problem werden. Nicht selten werden auf Verpackungen nämlich Aufschriften wie "fördert die Konzentration" oder "stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte" verwendet, ohne dass dafür auch Belege angeführt werden. Solche Hinweise, dass das Produkt "irgendwie" zum Wohlbefinden oder zur Gewichtsabnahme beiträgt, sollen den EU-Plänen zufolge in Zukunft als irreführend verboten werden.

Die Lobbyisten der Ernähungsindustrie haben die Gefahren der geplanten Verbote längst erkannt und ihre Gegenwehr angekündigt. Eine solche Regulierung der Lebensmittel-Kennzeichung sei unakzeptabel und unverhältismäßig, sagte ein Vertreter des Verbandes europäischer Getränke und Lebensmittelhersteller CIAA der "Financial Times" (FT).

Ähnliche Verbote sind in der Europäischen Union in anderen Bereichen bereits in Kraft. So müssen bis spätestens September diesen Jahres auf Zigarettenpackungen Bezeichnungen wie "mild" oder "leicht" als Irreführung der Verbraucher verschwinden.

Byrne muss seine Vorschläge nun der EU-Kommission offiziell vorlegen, anschließend werden sich der zuständige EU- Ministerrat und das Europäische Parlament mit dem Thema befassen. Mit einer Umsetzung von Byrnes Plänen ist laut "FT" nicht vor Ende 2004 zu rechnen.



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