EU-Stabilitätspakt Eichel erhält Rückendeckung von Nobelpreisträger Friedman

Finanzminister Hans Eichel erhält nach dem Bruch des EU-Stabilitätspakts prominenten Beistand. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Milton Friedman hält den Euro für überwertet und lehnt auch den europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt ab.


Milton Friedman: Der US-Ökonom gilt als einer der Begründer der monetaristischen Schule, die sich vor allem mit den Auswirkungen der Geldpolitik befasst
AP

Milton Friedman: Der US-Ökonom gilt als einer der Begründer der monetaristischen Schule, die sich vor allem mit den Auswirkungen der Geldpolitik befasst

Berlin/Düsseldorf - Der Pakt möge zwar bei der Einführung des Euro sinnvoll gewesen sein, sagte der 91-Jährige dem "Handelsblatt". "Aber auf lange Sicht ist der Pakt nicht vernünftig. Die einzelnen Länder sollten in ihrer Fiskalpolitik ebenso frei sein wie in ihrer Geldpolitik", zitiert ihn die Zeitung.

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank Chart zeigen, Ulrich Ramm, schlug sich auf Eichels Seite. Der Ökonom sagte der "Berliner Zeitung": "In der aktuellen Situation wäre es problematisch, das Defizit auf Teufel komm raus unter drei Prozent zu drücken, weil wir ansonsten den leichten Aufschwung, den wir für das nächste Jahr erwarten, möglicherweise abwürgen würden."

Eine funktionierende Währungsunion ist Ramm zufolge ohnehin nicht vom Fortbestand des Pakts abhängig: "Würde er abgeschafft, würden die Länder, die sich falsch verhalten, von den Märkten abgestraft."

EZB warnt vor Zinserhöhung wegen Verschuldung

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, hatte Deutschland und Frankreich hingegen am Wochenende vorgeworfen, mit ihren überhöhten Staatsdefiziten eine Tendenz für Zinssteigerungen in der Euro-Zone in Kauf zu nehmen. Issing schrieb in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" "FAZ" vom Samstag, auf Betreiben beider Länder seien die Prinzipien des Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt "gröblich verletzt" worden. Die Folge sei eine Tendenz zu steigenden Haushaltsdefiziten und Schuldenbergen.

Den politischen Nutzen überhöhter Defizite hätten dabei nur die betreffenden Länder, "die negativen Auswirkungen auf das Zinsniveau" träfen aber alle Euro-Mitgliedsländer. Um dies im Griff zu behalten, sei ein verlässliches fiskalisches Regelwerk unentbehrlich. Die EZB halte unbeirrt an ihrer Verpflichtung fest, das Preisniveau stabil zu halten. Zu den Auswirkungen auf den Euro schrieb Issing, der Euro sei und bleibe eine stabile Währung.



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