EU-Wettbewerbskommission Microsoft muss Rekordbußgeld von 497,2 Millionen Euro zahlen

Bis zur letzten Minute hatten die Anwälte und Lobbyisten aus Seattle gekämpft - vergebens. Die EU hat den Software-Konzern Microsoft zu einer Rekord-Strafe von 497,2 Millionen Euro verurteilt. Die Wettbewerbshüter sahen es als erwiesen an, dass der Konzern seine Marktmacht ausgenutzt und damit EU-Recht verletzt hat.




Wettbewerbshüter Monti: 90 Tage Zeit für eine neue Windows-Version
AP

Wettbewerbshüter Monti: 90 Tage Zeit für eine neue Windows-Version

Brüssel - Die jetzt verhängte Strafsumme liegt erheblich über den 200 bis 300 Millionen Euro, von denen Experten zunächst ausgegangen waren. Doch offensichtlich wollte Wettbewerbskommissar Mario Monti ein Zeichen setzen. Auf seine Initiative hin wurde die Geldbuße auf den jetzigen Betrag festgesetzt.

"Die EU verhängt die Strafe gegen MicrosoftChart zeigen, weil der Konzern sein Monopol beim Betriebssystem Windows ausgenutzt hat", sagt Monti während einer Pressekonferenz in Brüssel zur Begründung. Windows sei mit Programmen verbunden worden, die nicht notwendig seien, um das Funktionieren des Betriebssystems zu gewährleisten. Außerdem würden Anbieter, die nicht mit Microsoft zusammenarbeiteten, von der Möglichkeit ausgeschlossen, ihre Server mit dem Microsoft-Betriebssystem zu betreiben.

Das Verfahren gegen den Software-Giganten geht auf eine Beschwerde der Konkurrenten RealNetworks und Sun Microsystems Chart zeigen zurück, die sich im Wettbewerb mit Microsoft benachteiligt fühlten. Die Brüsseler Wettbewerbshüter stellten jetzt fest, dass sich der Konzern mit Hilfe eines "ernsthaften Verstoßes", der fünfeinhalb Jahre angedauert habe, eine dominante Position auf dem Markt verschafft habe. Sun Microsystems begrüßte die Entscheidung. Sie sei "wichtig" für Innovation und Wettbewerb, erklärte das Unternehmen in Santa Clara.

Der Konzern hat jetzt 120 Tage Zeit, um Windows für Server anderer Anbieter zugänglich zu machen. Zudem muss Microsoft binnen 90 Tagen eine Version von Windows anbieten, die keinen eigenen Media Player enthält.

Microsoft hat bereits angekündigt, gegen das Bußgeld juristisch vorzugehen. Der Softwaregigant hofft auf einen Erfolg vor dem Europäischen Gericht Erster Instanz in Luxemburg. "Die Kommission hatte heute das erste Wort. Das EU-Gericht wird das letzte Wort haben. Und das wird am Ende entscheiden", kommentierte Microsoft- Chefjurist Brad Smith die Vorgänge.

Die EU-Entscheidung hat Präzedenzcharakter. Die bisherige Rekordbuße von 462 Millionen Euro musste 2001 der Schweizer Pharma-Konzern Hofmann-La Roche als Anstifter eines groß angelegten Vitamin-Kartells zahlen.



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