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EU-Wettbewerbsverfahren Intel droht Milliardenstrafe aus Brüssel

Die EU-Kommission wirft dem weltgrößten Chip-Hersteller Intel Missbrauch seiner Marktstellung vor. Intel gewähre "substanzielle Rabatte", verkaufe unter Wert und besteche Unternehmen, damit diese den Konkurrenten AMD benachteiligen. Intel soll auch Mediamarkt unter Druck gesetzt haben.

Brüssel - Dem weltgrößten Chiphersteller Intel   droht eine Milliardenstrafe aus Brüssel. Die EU-Kommission setzte dem US-Konzern heute eine Frist von zehn Wochen, um den Verdacht auf Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung auszuräumen. Geschieht dies nicht, können die europäischen Wettbewerbshüter eine Strafe von maximal zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Das wären bei Intel bis zu 3,5 Milliarden Dollar, gemessen am Umsatz von 35,4 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Intel hat zuvor das Recht auf eine Anhörung.

Das US-Unternehmen Intel habe seine Marktmacht in dreierlei Hinsicht missbraucht, erklärte die EU-Kommission. Der Konzern habe Computerherstellern deutliche Rabatte für die Nutzung seiner Prozessoren eingeräumt. Zudem habe Intel in einigen Fällen Geld geboten, wenn Chips des US-Konkurrenten Advanced Micro Devices (AMD) nicht oder verspätet eingebaut würden. Darüber hinaus habe Intel seine Prozessoren zum Teil unter den Herstellungskosten vermarktet und AMD   so ausgestochen.

Jeder dieser drei Vorwürfe sei, sollte er als erwiesen gelten, bereits ein Missbrauch einer marktbeherrschenden Position, erklärte die Kommission. Ihrer Ansicht nach "verstärkten die drei Handlungsweisen sich wechselseitig und sind Teil einer übergreifenden wettbewerbsfeindlichen Strategie".

Intel wies die Vorwürfe aus Brüssel zurück. "Wir sind überzeugt, dass der Chipmarkt normal funktioniert und dass sich Intel rechtmäßig, wettbewerbsorientiert und kundenfreundlich verhalten hat", teilte das Unternehmen heute mit. Intel betonte, es gehe nicht um Klagen von Kunden.

Die EU-Kommission ermittelt seit sieben Jahren gegen den Konzern, der bei Prozessoren einen Marktanteil von rund 80 Prozent hat. 2001 hatte AMD erstmals Beschwerde gegen Intel eingereicht. 2005 hatte die Kommission eine Reihe von Büros von Intel in der EU durchsuchen lassen. In Deutschland soll der Konzern die Mediamarkt-Kette unter Druck gesetzt haben, ausschließlich Intel-Produkte zu verkaufen.

kaz/AFP/AP/dpa