Strategie überarbeitet EZB erhöht Inflationsziel auf zwei Prozent

Die Europäische Zentralbank hatte eine neue Strategie angekündigt. Nun verkündeten die Währungshüter, dass mittelfristig eine Teuerungsrate im Euroraum von 2,0 Prozent angestrebt werde. Zeitweise könnte es auch darüber hinausgehen.
Die EZB in Frankfurt am Main

Die EZB in Frankfurt am Main

Foto: Christian Offenberg / imago images

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre geldpolitische Strategie erneuert und sich ein neues Inflationsziel gesetzt. Die Währungshüter um Notenbankchefin Christine Lagarde wollen künftig mittelfristig eine Teuerungsrate im Euroraum von 2,0 Prozent anstreben, wie die Euro-Notenbank in Frankfurt am Main ankündigte.

Künftig will die EZB zumindest zeitweise »moderat über dem Zielwert« liegende Inflationsraten akzeptieren. Mit einem solchen »symmetrischen« Inflationsziel ist die Notenbank nicht mehr unmittelbar zum Reagieren gezwungen, sollten die Inflationsraten zeitweilig nach oben oder nach unten von dem prozentualen Ziel abweichen.

Bisher hatte das Ziel auf unter, aber nahe zwei Prozent gelautet. Diese Formulierung war aber zunehmend in die Kritik geraten, weil sie aus Sicht vieler Experten nahelegt, die Euro-Wächter würden eine zu hohe Inflation stärker bekämpfen wollen als eine zu niedrige. Ihr bisheriges Ziel verfehlte die EZB bereits seit Frühjahr 2013.

EZB-Chefin Lagarde, seit November 2019 im Amt, hatte die Generalüberholung bereits kurz nach ihrem Antritt angekündigt. Durch die Coronakrise verzögerte sich die Überprüfung dann aber.

Klimaschutz als Teil des neuen Aktionsplans

Lagarde selbst schrieb sich in dem Prozess den Klimaschutz auf die Fahnen. Nun beschloss der EZB-Rat »einen umfassenden Aktionsplan mit einem ehrgeizigen Fahrplan zur weiteren Einbeziehung von Klimaschutzüberlegungen in seinen geldpolitischen Handlungsrahmen«.

Beim Kauf von Unternehmensanleihen habe die EZB bereits begonnen, »relevante Risiken des Klimawandels« zu berücksichtigen. Ob Notenbanken umweltpolitische Ziele unterstützen sollten, ist umstritten. Greenpeace forderte erneut, die EZB solle »klimaschädliche Unternehmen« bei ihren milliardenschweren Anleihenkäufen »ab heute nicht weiter begünstigen«.

Die Währungshüter hatten letztmalig im Jahr 2003 ihre geldpolitische Strategie überarbeitet. Damals hatten sie ihr mittelfristiges Preisstabilitätsziel von 1998 präzisiert. Bis dahin hatte es auf unter zwei Prozent gelautet – angepasst wurde es schließlich auf »unter, aber nahe zwei Prozent«. Seitdem war diese Formulierung gültig geblieben.

hba/Reuters/dpa
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