Hohe Energiekosten Euro fällt zum US-Dollar auf 20-Jahrestief

Die Eurozone leidet unter den hohen Energiepreisen – die Gemeinschaftswährung ist deshalb für US-Amerikaner besonders günstig. Der Chef der Bundesbank spricht sich für weitere Zinserhöhungen aus.
Verschiedene Währungen: Der Kurs des Euro ist auf den niedrigsten Stand zum US-Dollar seit rund 20 Jahren gefallen

Verschiedene Währungen: Der Kurs des Euro ist auf den niedrigsten Stand zum US-Dollar seit rund 20 Jahren gefallen

Foto: Stephanie Lecocq / epa

Zum ersten Mal seit 2019 ist in München wieder Oktoberfest – und dafür sind auch viele Menschen aus den Vereinigten Staaten angereist. Ein Grund für das Interesse speziell der US-Amerikaner könnte in diesem Jahr auch der für sie günstige Dollar-Kurs sein. »So günstig gibt's die Wiesn für Amerikaner nie wieder«, sagte Festleiter Clemens Baumgärtner (CSU) der Nachrichtenagentur dpa.

Der Kurs des Euro ist nach schwachen Konjunkturdaten auf den niedrigsten Stand zum US-Dollar seit rund 20 Jahren gefallen. Am Nachmittag kostete ein Euro zeitweise nur 0,97 Dollar – seit Ende 2002 war der Stand nicht so niedrig. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,98 Dollar fest – der Dollar kostete damit 1,03 Euro.

»Die hohen Energiepreise würgen derzeit regelrecht die Konjunktur ab«, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Die gestiegenen Gas- und Strompreise belasteten nicht nur die Verbraucher, sondern auch Unternehmer. »Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges werden nun erst richtig sichtbar und könnten kaum brutaler sein«, sagte Gitzel. Die Eurozone leidet unter den hohen Energiepreisen deutlich stärker als etwa die USA, da sie bislang in der Energieversorgung stark von Russland abhängig war.

Auch die Wahl in Italien an diesem Sonntag sorgt für Unsicherheit. Nach dem Aus der Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi, die derzeit nur noch geschäftsführend im Amt ist, werden rechten Parteien gute Chancen eingeräumt: Giorgia Meloni von der nationalistischen Partei Fratelli d'Italia könnte neue Ministerpräsidentin werden .

Pfund nach Steuerentlastungsplänen unter Druck

Das britische Pfund ist unterdessen ebenfalls deutlich unter Druck geraten und erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,11 Dollar gefallen. Die britische Regierung unter der neuen Premierministerin Liz Truss will mit umfangreichen Steuersenkungen für Verbraucher und Unternehmen das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Erreicht werden soll ein durchschnittliches Wachstum der britischen Wirtschaft von 2,5 Prozent, sagte Finanzminister Kwasi Kwarteng. Höhere Staatsschulden sollen das Programm finanzieren – doch das belastet das Pfund und britische Staatsanleihen. Im Moment bewegt sich Großbritannien am Rande einer Rezession.

Unterdessen ist der Goldpreis stark gefallen und hat den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht. Marktbeobachter erklärten die Talfahrt kurz vor dem Wochenende mit einem starken Anstieg der Zinsen an den Kapitalmärkten, was festverzinsliche Papiere für Anleger attraktiver macht als Anlagen in Gold. Im Mittagshandel fiel der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls um rund 27 Dollar auf 1644 Dollar.

Auch der Ölpreis reagiert auf die Entwicklungen: Er ist unter die Marke von 80 Dollar pro Barrel gesunken. Händler erklärten, nach den Leitzinsanhebungen der US-Notenbank Fed und der britischen Zentralbank habe sich das Rezessionsrisiko erhöht. Die Fed hatte am Mittwoch den Leitzins um 0,75 Punkte erhöht, um die hohe Inflation in den USA zu bekämpfen. Eine Reihe weiterer Zentralbanken, etwa in Großbritannien und in Norwegen, zogen am Donnerstag nach. Durch die höheren Zinsen werden Kredite teurer.

Die Zinserhöhungen verunsichern Investoren. Weltweit und auch in Deutschland zeigen sich Sorgen vor einer Rezession am Aktienmarkt. Der Leitindex Dax ging mit einem Minus von 1,97 Prozent in das Wochenende.

Bundesbankpräsident Nagel verteidigt Zinserhöhungen

Bundesbankpräsident Joachim Nagel hält derweil höhere Zinsen in der Eurozone ungeachtet der drohenden Rezession für notwendig. »Die Hauptsache ist momentan die Inflationsbekämpfung«, sagte Nagel laut Redemanuskript bei einer Veranstaltung in Luzern. Der Rat der Europäischen Zentralbank habe mit den beiden deutlichen Zinsanhebungen im Juli und September entschlossen gehandelt. »Weitere Straffungsschritte sind in Aussicht gestellt und werden aus meiner Sicht kommen müssen«, sagte Nagel.

Er wolle nicht verschweigen, dass die Inflationsbekämpfung Belastungen mit sich bringe. »Sie dürfte vorübergehend das Wachstum dämpfen«, sagte der Bundesbanker. »Nichts zu tun und den Dingen ihren Lauf zu lassen, ist aber keine Alternative.« Inflation zehre Wohlstand auf und treffe die Schwächsten am härtesten. Sie stehe damit im Widerspruch zum Anspruch »Wohlstand für alle«.

ani/dpa/Reuters/AFP
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