Eurokrise IWF-Chefin Lagarde warnt vor "hartnäckig niedriger" Inflation

Die Inflationsrate im Euroraum von nur 0,5 Prozent ruft IWF-Chefin Lagarde auf den Plan. Eine derart niedrige Teuerungsrate könne dem Wachstum in Europa schwer schaden.
IWF-Chefin Christine Lagarde: Die EZB versucht mit sehr niedrigen Zinsen, die Inflation nach oben zu treiben

IWF-Chefin Christine Lagarde: Die EZB versucht mit sehr niedrigen Zinsen, die Inflation nach oben zu treiben

Foto: PHILIPPE WOJAZER/ REUTERS

Paris - IWF-Chefin Christine Lagarde hat vor den Folgen der sehr niedrigen Inflation für das Wirtschaftswachstum in Europa gewarnt. "Eine hartnäckig niedrige Inflation kann dem Wachstum schwer schaden", sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag in Paris. Auch trage sie dazu bei, dass die Schuldenlast noch schwerer wiege. Lagarde rief die Europäische Zentralbank (EZB) dazu auf, ihre großzügige Geldpolitik fortzusetzen.

Die EZB versucht unter anderem mit sehr niedrigen Zinsen, die Inflation im Euroraum nach oben zu treiben. Im Juni lag sie bei nur 0,5 Prozent. Die EZB strebt allgemein eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an.

Lagarde zufolge fängt die Wirtschaft in Europa damit an, "sich von der Krise zu erholen". Die Finanzmärkte bewerteten Europas Wiedererstarken aber womöglich etwas überoptimistisch, so Lagarde. Die hohe Arbeitslosigkeit und Verschuldung in vielen EU-Ländern könnten die Investitionen und damit das Wachstum nach unten ziehen

Schäuble gegen gezielte Dämpfung des Eurokurses

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte auf derselben Konferenz die Niedrigzinspolitik der EZB: Das Übermaß an Liquidität birgt demnach das Risiko von neuen Spekulationsblasen. Er sprach sich zudem gegen eine gezielte Schwächung des Euro aus. Eine starke Währung habe auch ihre Vorteile, sagte der Schäuble. "Wir sollten uns auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft konzentrieren, dann werden wir auch angemessene Wechselkurse bekommen."

Französische Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten die EZB und die EU wiederholt aufgefordert, für einen niedrigeren Eurokurs zu sorgen. Das würde Exporte erleichtern. Die französische Wirtschaft kämpft derzeit mit Wachstumsproblemen.

sun/AFP/Reuters
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