Europa-Vergleich Warum der Norden den Süden gnadenlos aussticht

Die Schuldenkrise in Europa deckt schonungslos auf, wer derzeit die beste Wirtschaftspolitik macht. Während die Südstaaten in den meisten Statistiken Schlusslichter sind, punkten die nordischen Länder fast überall. Was steckt hinter ihrem großen Erfolg?

DPA

Von Andreas Scholz


Hamburg - Selber schuld - treffender kann man Maud Olofssons Kommentar nicht umschreiben. Eine Geldspritze werde es von ihr nicht geben, ließ Schwedens Wirtschaftsministerin im Juni verlauten.

Was soll sie auch sonst sagen zu einem Konzern, der seit Jahren Autos baut, die keiner will, und der finanziell auf der Kriechspur ist: Saab. Soll sie etwa Staatsgeld für ein kaputtes Unternehmen opfern und sich dabei blamieren wie die Bundesregierung bei Opel? Ihre Antwort: "Saab hat die Verantwortung und muss selbst finanzielle Lösungen finden."

Olofssons menschlich zwar äußerst harte, wirtschaftlich aber umso schlauere Reaktion passt ins Bild, das die nordeuropäischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland derzeit vermitteln. Ihre Regierungen fahren eine vernünftige Wirtschaftspolitik und können mit Geld offenbar besser umgehen als ihre Kollegen weiter südlich.

Öl schwemmt Schulden fort

Das Saab-Fiasko ist zwar ein Fleck auf der strahlenden Wirtschaftsweste der nordischen Musterknaben. Doch andere Unternehmen gehören zur weltweiten Elite: der Kleidungsproduzent H&M, der Haushaltsgerätehersteller Electrolux und natürlich das Möbelhaus Ikea. "Die Finnen erfinden, die Schweden finanzieren, die Dänen verkaufen, und die Norweger kaufen es", so erklärte es Erik Friman, Chef des Aktienhandels bei SEB Enskilda Deutschland, gegenüber der "FAZ".

Vor allem dem Erdölförderland Norwegen hilft derzeit der hohe Ölpreis beim Einkaufen. Umgerechnet 44 Milliarden Euro sollen die Ölexporte dieses Jahr einbringen. Davon könnte Deutschland seinen Verteidigungshaushalt schultern und hätte noch 13 Milliarden Euro übrig. Dank seines Rohstoffschatzes in der Nordsee ist Norwegen - Soll und Haben verrechnet - sogar schuldenfrei.

Damit bildet der Norden einen Gegenpol zu den südlichen Problemländern der Euro-Zone wie Portugal, Italien, Griechenland und Spanien, denen Investmentbanker die wenig schmeichelhafte Abkürzung "Pigs" aufgedrückt haben. Es ist völlig egal, um welche Wirtschaftsstatistik es geht, in allen sticht das Nord-Süd-Gefälle ins Auge - beim Wirtschaftswachstum, der Staatsverschuldung, der Arbeitslosenquote, selbst bei Bildung und Gesundheit.

Wer die Vorgeschichte dazu sucht, sollte sich auch ein paar andere Auswertungen ansehen. Geht es darum, die Wirtschaft auf ein gesundes Fundament zu stellen, spielen auch hier die vier nordischen Länder vorn mit. Die Korruption ist niedrig. Es ist nicht schwer, ein Unternehmen zu gründen, es zu führen erst recht nicht. Nur die Steuern gelten als vergleichsweise hoch. Das ist wiederum mit ein Grund für die stabilen Staatsfinanzen, die internationale Anleger inzwischen sehr schätzen.

Gigantischer Markt für Schwarzarbeit

Anders im Süden: Hier sind zu hohe Steuersätze kaum ein Problem. Dafür nervt Unternehmer die ausufernde Bürokratie. Die verbreitete Korruption sorgt zudem dafür, dass die erhobenen Steuern häufig gar nicht beim Staat ankommen. Transparency International schätzt, dass der griechische Schwarzmarkt ein Drittel der Gesamtwirtschaft ausmacht und den Staat mindestens 14 Milliarden Euro im Jahr kostet. Ein durchschnittliches Schmiergeld an Staatsdiener betrug im vergangenen Jahr 1.492 Euro - in der Privatwirtschaft 1.623 Euro.

Die Fallhöhe zwischen Nord und Süd hat auch an den Finanzmärkten Spuren hinterlassen. Die Erholung nach dem Crash 2009 haben die Aktienkurse noch in Eintracht vollzogen. Dann kam der Bruch, und die Nordkurse stiegen weiter - unterstützt von aufwertenden Währungen in Schweden, Norwegen und Dänemark. Für die Aktien der Südländer begann mit der Schuldenkrise auch das Leid.



insgesamt 151 Beiträge
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rmorg 21.08.2011
1. Norwegen,
als Beispiel zu nennen, ist schwach. Wenn, dann müßten die Einnahmen aus dem Öl herausgenommen werden, denn dafür können sie nichts und damit hatten sie eben Glück. Ohne die Öleinnahmen sieht die Sache schon ganz anders aus und Norwegen hätte bestimmt so einige Probleme, denn viel mehr an Wirtschaft haben sie doch nicht.
matt_us, 21.08.2011
2. Im sonnigen Sueden ist es immer besser!
---Zitat von SPIEGEL ONLINE--- Ein durchschnittliches Schmiergeld an Staatsdiener betrug im vergangenen Jahr 1.492 Euro - in der Privatwirtschaft 1.623 Euro. ---Zitatende--- Was aus der Statistik nicht hervorgeht, wer denn die Staatsdiener bestochen hat - war es SIEMENS oder deutsche Ruestungskonzerne? Die sind ja fuer sowas bekannt? Jetzt kommt noch dazu, bei uns ist der Betrug ja schon institutionalisiert, oder wie soll man sonst verstehen, dass die Bad Banks die die Regierung aufgezogen hat, jeden Deutschen 3.000 Euro 2010 in zusaetzlichen Staatschulden gekostet haben. Nur damit die deutsche Bank Profite machen. So einen Murks gibt es nicht im Sueden. Und die haben schoenes Wetter - da wird 20% des BIPs im Tourismus verdient, nicht so wie in D, wo wetterbedingt wohl keiner in Urlaub faehrt, der sich was anderes leisten kann. Der Norden sollte sich mal an die eigene Nase packen, und die Spekulationen gegen Eurolaender unterbinden, wenn es schon George Soros sagt, (http://eurogate101.com/2011/08/19/george-soros-verbietet-cds/) wird schon was dran sein.
cirkular 21.08.2011
3. Steuern rauf
nicht runter. Spitzensteuersätze bei der Einkommenssteuer müssen drastisch erhöht werden. Schweden hatte um die 90%. Die Staaten müssen sich über Steuern finanzieren, nicht über Schulden. Dann wird die "Krise" überstanden. Der einfachste Schritt wäre, alle Staatsanleihen in Steuern zu verwandeln und zu kassieren.
Tungay 21.08.2011
4. Bessere Politik?
Sicher nicht! Es sind erfolgreichere Unternehmer und besser gebildete Einwohner. Warum das so ist, ist auch shnell erklärt. Setzen Sie sich ein Jahr an den Strand, in die Sonne und Sie werden merken das es wesentlich einfacher ist als im Regen und Schnee. Das fördert Leistungswille und Keativität. Es sind schlicht die klimatischen Lebensbedingungen. Und Norwegen, dass war ja wohl gar nichts.
acitapple 21.08.2011
5. ...
Zitat von rmorgals Beispiel zu nennen, ist schwach. Wenn, dann müßten die Einnahmen aus dem Öl herausgenommen werden, denn dafür können sie nichts und damit hatten sie eben Glück. Ohne die Öleinnahmen sieht die Sache schon ganz anders aus und Norwegen hätte bestimmt so einige Probleme, denn viel mehr an Wirtschaft haben sie doch nicht.
stimmt, norwegen hat anständige ölerträge, jedoch fließen diese in einen staatsfonds und werden nicht verprasst. außerdem haben die drei anderen länder auch kein öl, trotzdem geht es ihnen gut. der große unterschied ist in meinen augen ein funktionierendes staatssystem, geprägt von vernunft !
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