Europäischer Energie-Gigant Weg frei für E.ons Superdeal

Durchbruch für E.on: Im Bieterkampf um Spaniens wichtigsten Stromversorger Endesa hat der einzige Rivale Gas Natural aufgegeben. Damit kommt der deutsche Konzern seinem Ziel einen riesigen Schritt näher, Europas größer Energieanbieter zu werden.


Madrid - Der spanische Rivale Gas Natural teilte heute Abend nach einer Verwaltungsratssitzung mit, er ziehe sich aus dem Bieterkampf zurück. Eon Chart zeigen will mit dem in Lateinamerika stark vertretenen spanischen Konkurrenten in die Weltspitze der Strom- und Erdgaskonzerne vordringen.

Gas Natural hatte im September 22,5 Milliarden Euro für Endesa Chart zeigen geboten - als Teil einer Offensive gegen E.on, die von der spanischen Regierung unterstützt wurde, um einen großen nationalen Energieversorger zu schaffen. Beide hatte sich zum Ziel gesetzt, den Einstieg der Deutschen zu verhindern. Die Offensive löste auch Protest von Kanzlerin Angela Merkel aus. Erst kürzlich hatte die spanische Justiz das monatelang blockierte Bieterrennen nach langem Ringen um rechtliche Hmndernisse wieder freigegeben.

Der E.on-Konzern gab trotz des spanischen Widerstands Anfang 2006 eine konkurrierende Offerte ab, die immer wieder erhöht wurde und sich inzwischen auf 36,5 Milliarden Euro beläuft. An diesem Freitag läuft die Bieterfrist für Endesa aus - um die Aktionäre zu überzeugen, wird E.on seine Offerte möglicherweise noch einmal aufstocken müssen.

Die Endesa-Aktionäre haben dann bis zum 26. Februar Zeit, um das Angebot von E.on anzunehmen. Die Übernahme könnte noch scheitern, wenn sich eine Front von spanischen Aktionären gegen den Kauf durch den deutschen Konzern stellt. Diese Front könnte sich um den spanischen Baukonzern Acciona formieren, der in den vergangenen Monaten rund 21 Prozent der Endesa-Anteile aufgekauft hatte. Allerdings hatte Acciona sich bereit erklärt, seinen 21-prozentigen Anteil an die Deutschen abgeben zu wollen, falls dieser die Kontrolle über Endesa erlange.

Die Hauptaktionäre des spanischen Gasversorgers Gas Natural - die Sparkassenkette La Caixa (35 Prozent) und der Mineralölkonzern Repsol (30 Prozent) - hatten schon in der vergangenen Woche dafür plädiert, das Handtuch zu werfen. Es sei nicht möglich, mit dem Angebot von E.on zu konkurrieren. Der Börsenwert von Endesa hat sich wegen des Bieterkampfes auf mehr als 41 Milliarden Euro fast verdoppelt.

In der spanischen Presse war schon vor der Verwaltungsratsitzung in Barcelona durchgesickert, dass Gas Natural aufgibt. Zur Begründung wurde angeführt, dass dem Konzern in dem monatelangen Bieterprozess angeblich weniger Zugang zu Informationen gewährt wurde als E.on.

Ursprünglich wollte E.on die seit zwei Jahren angekündigte Übernahme schon im Sommer 2006 umgesetzt haben - der unerwartet starke Widerstand bremste den Konzern allerdings aus. Die spanische Regierung legte sich quer; die Regulierungsbehörde CNE hat ein Vetorecht bei Übernahmen. Damit zog sich die Regierung allerdings den Ärger der EU-Kommission zu, die längst grünes Licht für die Übernahme gegeben hatte: Die EU warf Spanien vor, gegen die Gesetze zum freien Kapitalverkehr und die Niederlassungsfreiheit verstoßen zu haben. Auf Druck aus Brüssel zog die spanische Regierung einen Großteil der Auflagen zurück. Dennoch droht ihr eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, obwohl die E.on die verbleibenden Auflagen schon akzeptiert hat.

tim/Reuters/dpa/AP/DowJones/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.