Europaweite Sportwetten EuGH bringt Wettmonopol ins Wanken

Ein folgenschweres Urteil: Der Europäische Gerichtshof hat die geltenden Beschränkungen für Glücksspiele in Italien kritisiert. Demnach darf dort eine britische Aktiengesellschaft ihre Wettdienste anbieten. Der Richterspruch könnte auch das deutsche Wettmonopol ins Wanken bringen.


Luxemburg - Die Richter urteilten in Luxemburg, dass auch Aktiengesellschaften bei der Vergabe von Wettkonzessionen zugelassen werden müssen. Das italienische Gesetz, Kapitalgesellschaften von dem Geschäft auszuschließen, verstoße gegen EU-Recht. (Aktenzeichen: C-338/04, C-359/04, C-360/04)

Italien verfolgt mit diesem Ausschluss das Ziel, kriminelle Machenschaften bei Glücksspielen zu unterbinden. Im verhandelten sogenannten Placanica-Fall ging es um einen Wettbürobetreiber, der für das in England ansässige Unternehmen Stanley Sportwetten vermittelt. Dagegen klagte die italienische Justiz. Wer gegen die italienischen Vorschriften verstößt, konnte bisher mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Das Urteil könnte Folgen für Deutschland haben. Dort hatten 15 der 16 Bundesländer im vergangenen Dezember einen Staatsvertrag gebilligt, demzufolge Lotterien, Sportwetten und Spielbanken in Deutschland für weitere vier Jahre nur Sache der Länder sein dürfen und private Internet-Angebote weitgehend verboten werden. Seitdem tobt ein heftiger Streit zwischen den Ländern und privaten Wettanbietern, die ihr Geschäft aktuell noch auf Basis alter DDR-Lizenzen betreiben.

Der deutsche Wettanbieter Fluxx Chart zeigen begrüßte das Urteil. "Das heutige Urteil des EuGH bedeutet faktisch das Ende staatlicher Monopole", hieß es in einer Mitteilung. Aktien von privaten Wett- und Lottoanbietern wie bwin und Tipp 24 sind am Vormittag deutlich gestiegen. bwin legte in Wien am Vormittag um 8,15 Prozent auf 27,34 Euro und Tipp24 in Framkfurt 3,86 Prozent auf 16,15 Euro zu. Auch Fluxx-Titel drehten ins Plus.

ase/dpa/Reuters/dpa-AFX



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