Eurozone Industrieproduktion geht so stark zurück wie noch nie

Geschlossene Fabriken, gekappte Lieferketten, fehlende Nachfrage: In der Coronakrise verzeichnet die Industrie den stärksten Monatseinbruch seit Beginn der Erhebung. Nur ein Euroland trotzte dem Trend.
Stahlwerk in Hamburg (Archivbild): Die Industrieproduktion in der Eurozone ist so stark zurückgegangen wie nie

Stahlwerk in Hamburg (Archivbild): Die Industrieproduktion in der Eurozone ist so stark zurückgegangen wie nie

Foto: DPA

Die Industrieproduktion in der Eurozone ist wegen der Coronakrise so stark zurückgegangen wie noch nie. Im April stellten die Betriebe 17,1 Prozent weniger her als im Vormonat, teilte das Statistikamt Eurostat mit . Gegenüber dem Vorjahresmonat brach die Produktion sogar um 28 Prozent ein. Die Gründe waren geschlossene Fabriken, unterbrochene Lieferketten und eine fehlende Nachfrage.

"Dies sind mit Abstand die größten monatlichen Rückgänge seit Beginn der Zeitreihe", teilte Eurostat weiter mit. Während der Finanzkrise 2008/09 fielen die Rückgänge mit drei bis vier Prozent deutlich milder aus. Allerdings war der Einbruch diesmal nicht so stark wie von Ökonomen befürchtet: Sie hatten mit einem Minus von 20 Prozent gerechnet.

Irland widersteht dem Abwärtstrend

In den einzelnen Euroländern schrumpfte die Industrie in sehr unterschiedlichem Tempo. Die stärksten Rückgänge in der Produktion im Vergleich zum Vorjahresmonat meldeten

  • Luxemburg mit minus 43,9 Prozent,

  • Italien mit einem Minus von 42,5 Prozent und die

  • Slowakei mit minus 42 Prozent.

Auch in Deutschland fiel das Minus mit 30,2 Prozent überdurchschnittlich aus. Nur Irland stemmte sich erfolgreich gegen den Abwärtstrend und schaffte ein Wachstum von 5,5 Prozent.

Der Industriestaaten-Organisation OECD zufolge wird die Wirtschaft der Eurozone 2020 zwischen 9,1 und 11,5 Prozent schrumpfen. Dem soll sich im kommenden Jahr ein Wachstum von 3,5 bis 6,5 Prozent anschließen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war für Deutschland ein Minus von 21 Prozent angegeben worden. Dieser Wert bezieht sich allerdings auf den Vormonat, nicht auf das Vorjahr. Wir haben die Stelle entsprechend angepasst.

brt/Reuters