Eurozone Herstellerpreise steigen um fast 22 Prozent

Seit Monaten steigen die Herstellerpreise immer schneller. Nun erreicht die Teuerung einen neuen Rekord – und die Kosten werden an Verbraucher weitergegeben. Die EZB sieht vor allem einen Grund: die Pandemie.
Getreideernte in Hessen: Preissteigerung betrifft fast alle Bereiche

Getreideernte in Hessen: Preissteigerung betrifft fast alle Bereiche

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance/dpa

Die Herstellerpreise steigen in immer rasanterem Tempo. Im Oktober lagen sie um 21,9 Prozent über dem Wert des entsprechenden Vorjahresmonats, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Die Rate ist damit so hoch wie noch nie seit Beginn der Währungsunion im Jahr 1999.

Auch übertrifft sie bisherige Schätzungen: Analysten hatten im Mittel mit einem Anstieg um 19,0 Prozent gerechnet. Erst im September hatte die Teuerung bei 16,1 Prozent gelegen, der bis dahin höchste Wert.

Besonders teuer ist die Energie

Auch die Preise, die Hersteller für ihre Waren erhalten, stiegen im Monatsvergleich deutlich an. Von September auf Oktober stiegen sie um 5,4 Prozent, nach 2,8 Prozent im Vormonat. Auch hier wurden die Analystenerwartungen übertroffen.

Besonders hoch ist die Steigerung bei den Energiepreisen. Gas und Strom waren 62,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Dafür gibt es mehrere Gründe: Nach dem Einbruch infolge der ersten Coronawelle hat sich die weltweite Nachfrage inzwischen normalisiert. Das Angebot ist aber nicht im gleichen Maße gestiegen. Noch dazu ist die Lage politisch aufgeladen: Vielfach steht der russische Gasmonopolist Gazprom in der Kritik, weil er seine Lieferungen nach Deutschland trotz des hohen Bedarfs nicht erhöhen soll.

Nimmt man die Energie aus der Rechnung heraus, stiegen die gesamten Erzeugerpreise um 8,9 Prozent. Die Preise für Vorleistungsgüter stiegen mit 16,8 Prozent ebenfalls deutlich, wahrscheinlich eine Folge der zahlreichen Probleme in den internationalen Lieferketten.

Verbraucher bekommen Preissteigerung zu spüren

Die Erzeugerpreise messen den Preisdruck auf Herstellerebene, indem sie die Verkaufspreise der Unternehmen erfassen. Die Entwicklung fließt teilweise in die Verbraucherpreise ein, an denen die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ausrichtet. Im November waren die Lebenshaltungskosten um 4,9 Prozent gestiegen und damit so stark wie noch nie seit Bestehen der Eurozone. Die EZB macht für die hohe Rate vor allem vorübergehende Corona-Faktoren verantwortlich.

jlk/dpa