Evonik Britischer Finanzinvestor steigt bei ehemaliger Ruhrkohle ein

Der Industriekonzern Evonik bekommt einen neuen Großaktionär. Der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners wird mit 25,1 Prozent beim sogenannten weißen Bereich der ehemaligen Ruhrkohle AG einsteigen. Kaufpreis: 2,4 Milliarden Euro.


Essen - Das monatelange Tauziehen hat ein Ende: Der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners hat sich einen Anteil von 25,1 Prozent am Essener Industriekonzern Evonik gesichert. Der Kaufpreis beträgt rund 2,4 Milliarden Euro, wie der Chef der RAG-Stiftung, Wilhelm Bonse-Geuking, am späten Dienstagabend mitteilte. Die Kartellbehörden müssen dem Verkauf noch zustimmen.

Evonik-Zentrale in Essen (bei der Umbenennung des Konzerns): Folgekosten des Bergbaus finanziert
DPA

Evonik-Zentrale in Essen (bei der Umbenennung des Konzerns): Folgekosten des Bergbaus finanziert

Die RAG-Stiftung war bislang alleiniger Gesellschafter der Evonik. Mit dem Verkauf eines Minderheitsanteils macht sie einen ersten Schritt, um einen Kapitalstock zur Finanzierung der Ewigkeitslasten des Bergbaus aufzubauen. Mittelfristig strebten beide Partner einen Börsengang an, hieß es. Evonik ist aus der ehemaligen Ruhrkohle AG hervorgegangen.

Im April hatte die RAG-Stiftung den für dieses Jahr geplanten Börsengang von Evonik wegen der Lage am Kapitalmarkt vorerst auf Eis gelegt. Stattdessen sollte ein Teil der Aktien an Finanzinvestoren verkauft werden. Nun ist sich die Stiftung mit CVC einig. Nach einem Bericht der "Financial Times" überboten die Briten andere Investoren wie KKR und Blackstone deutlich. Diese hätten nur 1,8 Milliarden Euro zahlen wollen. Einen unterlegenen Bieter zitierte das Blatt mit den Worten: "Der Preis ist unglaublich hoch."

"Ich bin froh, dass uns der Abschluss gelungen ist", sagte Stiftungschef Bonse-Geuking. Neben dem überzeugenden Kaufpreis sprächen auch andere Argumente für CVC: Der Investor habe umfangreiche Branchenerfahrung im Chemie- und Energiesektor, verfüge über ein erfahrenes Team in Deutschland und teile die Vorstellungen der Stiftung hinsichtlich der Entwicklungsperspektiven für Evonik.

Der Managing Partner von CVC Capital Partners, Steven Koltes, sagte, Evonik sei ein hervorragendes Unternehmen mit enormem Zukunftspotential. "Wir sind stolz, dass wir mit unserer Beteiligung einen Beitrag dazu leisten können, dass mittelfristig ein neues Dax-Unternehmen entsteht." Man werde die RAG-Stiftung und das Evonik-Management bei der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens unterstützen.

Evonik ist aus dem früheren "weißen Bereich" des Bergbaukonzerns RAG hervorgegangen und umfasst die Sparten Immobilien, Energie und Chemie. Die RAG-Stiftung soll mit dem Verkauf der Evonik-Anteile die Folgekosten des auslaufenden deutschen Steinkohlebergbaus decken. Ursprünglich wollte die Stiftung knapp 75 Prozent der Aktien in drei Tranchen 2008, 2010 und 2012 an den Kapitalmarkt bringen. Allerdings hatte sie von vornherein signalisiert, dass die erste Tranche auch an einen Investor gehen könne.

CVC Capital Partners ist in Deutschland seit 1986 mit einem eigenen Büro in Frankfurt vertreten. CVC hat auch Erfahrung mit Minderheitsbeteiligungen an ehemaligen Staatsunternehmen: Unter anderem besitzt der Finanzinvestor 22 Prozent Anteile an der dänischen Post und 25 Prozent der belgischen Post.

wal/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.