Nach Flucht aus Russland Ex-Gazprombank-Manager nennt Schröder »Agent russischer Interessen«

Igor Wolobujew hat lange für die Gazprombank gearbeitet. Nun ist er in die Ukraine geflüchtet und greift Ex-Kanzler Schröder an. Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas sei ein fundamentaler Fehler, sagt er.
Ex-Kanzler und Gaslobbyist Gerhard Schröder

Ex-Kanzler und Gaslobbyist Gerhard Schröder

Foto: Alexey Vitvitsky / SNA / IMAGO

Ein ehemaliger Topmanager der russischen Gazprombank, Igor Wolobujew, hat das Russland-Engagement des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder kritisiert. »Gerhard Schröder ist seit vielen Jahren ein Agent russischer Interessen«, sagte Wolobujew der Wochenzeitung »Die Zeit«. Der gebürtige Ukrainer Wolobujew war Anfang März aus Russland in die Ukraine geflohen, um sich dort der Territorialverteidigung anzuschließen und gegen Russland zu kämpfen.

»Ich will mich von meiner russischen Vergangenheit reinwaschen«, hatte Wolobujew jüngst in einem Video-Interview gesagt. Er sei schon am 2. März aus Russland ausgereist. Seine Flucht begründete Wolobujew damit, dass er selbst in der Ukraine geboren sei, den Angriffskrieg Russlands verurteile und er »mit der Waffe in der Hand meine Heimat verteidigen« wolle. Auch russischsprachige Medien berichteten über die Flucht des Managers.

»Russland verfügt über zwei Waffen: die Gas- und Ölpipelines – und die Atombombe«

Dass Deutschland sich in den vergangenen Jahren von russischem Erdgas abhängig gemacht hat, sei nach Angaben des Managers, der sechs Jahre für die Gazprombank gearbeitet hat, ein fundamentaler Fehler. »Man hätte begreifen müssen, dass Gazprom kein Unternehmen im eigentlichen Sinn ist, das Profit machen soll, sondern ein wirtschaftliches Instrument in einem politischen Krieg«, sagt Wolobujew. »Russland verfügt über zwei Waffen: die Gas- und Ölpipelines – und die Atombombe.«

Um Putin zu stoppen sei es nötig, dass Europa kein russisches Erdgas mehr kaufe, so Wolobujew. »Es ist ein Kampf der Kulturen. Und davon hängt unser aller Zukunft ab. Europa muss russisches Gas boykottieren«. Über seine persönlichen Motive, die ihn zur Flucht bewegt haben, sagt Wolobujew, russische Soldaten hätten Freunde von ihm getötet und sein Vater habe während der Angriffe einen Monat lang bei minus zehn Grad in einem Keller gesessen. Er verspüre daher tiefe Schuld, dass er mehr als 20 Jahre für den russischen Staatskonzern Gazprom tätig gewesen sei.

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