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10. Januar 2008, 20:08 Uhr

Experten

Riester-Rente könnte Minusgeschäft für Millionen Sparer werden

Jahrzehntelang sollen die Bürger für ihre Riester-Rente sparen - und trotzdem könnten sie am Ende leer ausgehen. Laut einem ARD-Bericht wird sich die Riester-Förderung für Millionen Menschen "in Luft auflösen". Schuld soll eine weithin unbekannte Regelung sein. Die Regierung dementiert.

Köln - Millionen zukünftige Rentner laufen nach einem Bericht des ARD-Magazins "Monitor" Gefahr, trotz Riester-Rente im Alter keinen Euro zusätzlich in der Tasche zu haben. Das berichtete das Fernsehmagazin vorab unter Berufung auf interne Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Rentner (in Dresden): Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung
DDP

Rentner (in Dresden): Anrechnung der Riester-Rente auf die Grundsicherung

"Monitor" zitiert den Renten-Experten und langjährigen Regierungsberater Winfried Schmähl: Demnach müssen "Millionen" damit rechnen, "dass sich ihre Riester-Förderung gewissermaßen in Luft auflöst". Schuld sei das seit Jahren sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung und eine gesetzliche Regelung, die bislang selbst Experten kaum bekannt sei: die Anrechnung der Riester-Ersparnis auf die Grundsicherung.

Davon betroffen sei jeder, der im Alter so wenig habe, dass er auf Sozialhilfe angewiesen sei. Denn in die Berechnung des Grundsicherungsanspruchs fließe auch die private Riester-Vorsorge ein, berichtet das Magazin. Die staatliche Unterstützung werde dann genau um den Betrag der angesparten Riester-Rente gekürzt.

Nach Angaben von "Monitor" geht aus internen Berechnungen der Rentenversicherung hervor, dass selbst ein Durchschnittsverdiener, der 32 Jahre in die Rentenkasse einzahlt, im Jahr 2030 voraussichtlich keinen Nutzen von Riester haben werde.

Das Arbeitsministerium weist den Bericht zurück

Die Deutsche Rentenversicherung bezeichnete diese Aussagen in einer ersten Stellungnahme als irreführend. Bei den zitierten Zahlen werde nur auf das Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung abgestellt. Doch bloß 65 Prozent des Brutto-Einkommens der Menschen über 65 Jahre kämen daher. Anderes Einkommen bleibe bei den Berechnungen außen vor.

Die staatlich geförderte Riester-Rente ermögliche es gerade Personengruppen, die sonst keine private Altersvorsorge abschließen könnten, sich mit geringen Eigenbeiträgen ab fünf Euro im Monat eine zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen, teilte die Rentenversicherung mit. Gerade für Geringverdiener lägen die Förderquoten bei bis zu 90 Prozent.

Auch das Bundesarbeitsministerium wies den Bericht zurück. Die "Monitor"-Behauptungen basierten auf einer völligen Verzerrung der Situation. "Sie sind unseriös und werden wider besseres Wissen aufgestellt", sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup fordert laut "Monitor" eine Änderung der Gesetzeslage. Wer für die Riester-Rente einzahle, müsse das Geld später tatsächlich zusätzlich in der Tasche haben.

wal/AP

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