Explodierende Energiekosten Strom und Gas werden noch teurer

Haushalte müssen im nächsten Jahr 20 Prozent mehr für Gas zahlen. Strom wird im Schnitt um sieben Prozent teurer, sagt ein Vergleichsportal voraus.
Heizen wird teurer

Heizen wird teurer

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Wer mit Gas heizt, muss sich auf eine deutlich höhere Rechnung im nächsten Jahr einstellen. Erhebliche Preiserhöhungen, könnten die Haushalte treffen, prognostiziert eine Studie des Vergleichsportals Verivox. Gas werde demnach um mehr als 20 Prozent teurer, bei Strom sei mit Aufschlägen von rund sieben Prozent zu rechnen, berichten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Beim Gas machten sich die Entwicklungen auf den globalen Energiemärkten bemerkbar, hieß es weiter. Hinzu komme der in diesem Jahr eingeführte CO₂-Preis, der aktuell bei 25 Euro pro Tonne liegt und in 2022 auf 30 Euro steigt. Laut Verivox steigen die Kosten für ein Einfamilienhaus im nächsten Jahr im bundesweiten Schnitt um 329 Euro.

2022 dürfte Gas deutlich mehr kosten

2022 dürfte Gas deutlich mehr kosten

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ dpa

Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg lägen mit Erhöhungen um mehr als ein Drittel vorn. Aber auch in Niedersachsen (24 Prozent) und Schleswig-Holstein (25 Prozent) würden die Kosten anziehen. Nur in Bremen und Berlin werde es beim Gas lediglich moderat teurer.

Beim Strom haben nach den Erhebungen der Verivox-Experten 236 von rund 900 Anbietern die Preise zum Jahreswechsel erhöht. Im Schnitt schlage das bei einem Standardhaushalt mit einer Erhöhung von 97 Euro in 2022 zu Buche.

Allerdings gebe es starke regionale Unterschiede: Während die Preise in Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders stark nach oben gingen, verzeichneten Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sinkende Preise. Unterm Strich würden die deutschen Strompreise aber »wohl auch im kommenden Jahr die höchsten weltweit bleiben«, sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck dem RND.

Preisanstieg wie in der Ölkrise

Zuletzt waren die Preise für Energieimporte so stark gestiegen wie zuletzt in der Ölkrise 1980. Wegen der hohen Öl- und Gaspreise stiegen die Einfuhrpreise im Oktober um 21,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Der starke Anstieg der Importpreise geht vor allem auf die rasant steigenden Kosten für Energie zurück: Deren Einfuhr verteuerte sich um 141,0 Prozent im Vergleich zum Oktober 2020. Bei Erdgas fiel der Preisaufschlag dabei mit 193,9 Prozent besonders stark aus, bei Erdöl gab es ein Plus von 105,9 Prozent. Die Einfuhrpreise für importierte Steinkohle erhöhten sich um 213,2 Prozent.

Der Grund für die Energiekrise ist eine Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage: Weil sich die Wirtschaft seit dem Beginn der Coronakrise weitgehend erholt hat und die Produktion wieder angestiegen ist, steigt die Nachfrage nach Energie. Das Angebot hält damit nicht mit. Zwischenzeitlich hatte außerdem Russland weniger Gas nach Deutschland geschafft, als nachgefragt wurde.

Verbraucherschützer fordern Ausbau erneuerbarer Energien

Angesichts der starken Schwankungen bei den Energiepreisen haben Verbraucherschützer größere Gasreserven und Entlastungen für Privathaushalte gefordert. »Für Gasspeicher braucht es einen Mindestfüllstand zu Beginn des Winters«, sagte der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller. Dieser Füllstand müsse transparent gemacht und überwacht werden.

Verbraucherschützer Klaus Müller

Verbraucherschützer Klaus Müller

Foto: Christophe Gateau / dpa

Falls die Preise für Öl und Gas weiter anstiegen, müssten zudem vor allem Haushalte mit geringen Einkommen finanziell unterstützt und vor Gassperren im Winter geschützt werden, forderte Müller weiter. »So müssen zum Beispiel das Wohngeld, Hartz IV und die Altersgrundsicherung entsprechend dem Anstieg der Energiepreise erhöht werden.« Industrieausnahmen müssten gestrichen oder steuerlich finanziert werden.

Nötig ist laut Müller außerdem eine stärkere Förderung der energetischen Gebäudesanierung in den kommenden Jahren. »Hier sollten zuerst die Gebäude mit der schlechtesten Energieeffizienz saniert werden, viele Haushalte mit geringem Einkommen leben gerade hier.« Mittelfristig müsse die Politik die Importabhängigkeit von Öl und Gas reduzieren – vor allem über den Ausbau von erneuerbaren Energien. Diese sind deutlich günstiger als fossile Energiequellen.

fww/AFP
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