Exporte "Made in Germany" gefragt wie nie

Die deutsche Exportwirtschaft hat dank des schwächeren Euro im ersten Halbjahr einen neuen Rekord erzielt. In den ersten sechs Monaten wurden Waren im Wert von 382,3 Milliarden Euro ausgeführt - so viel wie noch nie seit 55 Jahren.


Hamburger Hafen: Rekordpreise für Rohöl schmälern die Überschuss-Bilanz
DDP

Hamburger Hafen: Rekordpreise für Rohöl schmälern die Überschuss-Bilanz

Wiesbaden - "Allein der Juni war einmalig und brachte das höchste Monatsergebnis, das wir seit 1950 je hatten", sagte Dirk Mohr, Statistiker des Statistischen Bundesamts, heute in Wiesbaden. Die Exportzuwächse verteilten sich gleichmäßig auf Europa und die anderen Regionen der Welt.

Das Wirtschaftswachstum, das im ersten Vierteljahr aufgrund des großen Handelsüberschusses noch 1,0 Prozent betragen hatte, konnte von dem jetzigen Rekord allerdings nicht profitieren. Denn die Importe stiegen überproportional an, so dass der Handelsüberschuss geringer ausfiel. In den ersten sechs Monaten stieg die Exportquote um 5,9 Prozent, während gleichzeitig die Importe wegen der Rekordpreise für Rohöl um 7,2 Prozent auf 297,4 Milliarden Euro kletterten. Volkswirte erwarten, dass die deutsche Wirtschaft im Frühjahr nur stagniert hat.

Wegen der stabilen Weltwirtschaft und des günstigen Wechselkurses zum Dollar soll sich der Exportüberschuss aber in der zweiten Jahreshälfte weiter beleben. Die jüngste Entwicklung im Monat Juni zeige eine deutliche Tendenz nach oben, sagte Mohr. Im Juni lagen die Ausfuhren mit 68,8 Milliarden Euro um 9,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. "Der Anstieg setzt sich weiter fort, wenn auch nicht mehr mit zweistelligen Zuwachsraten wie im Jahr 2004." Die Importe kletterten um 8,1 Prozent auf 51,9 Milliarden. Im Vergleich zum Vormonat Mai gingen die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt allerdings um 0,4 Prozent zurück.

Die steigende Nachfrage kommt aus allen Regionen der Welt. In die Mitgliedstaaten der Europäischen Union lieferten deutsche Unternehmen von Januar bis Juni Waren im Wert von 246,2 Milliarden Euro, das war ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In die Länder außerhalb der EU exportierten sie Waren für 136,2 Milliarden Euro (plus 4,6 Prozent).

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) zeigte sich auch für das zweite Halbjahr optimistisch. "Von entscheidender Bedeutung bleibt aber auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen, sowohl im Inland wie auch auf globaler Ebene. Ein Erfolg der WTO-Konferenz von Hongkong im Dezember steht hierbei an zentraler Stelle", sagte Präsident Anton F. Börner.



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