Geldpolitik Bundesbank-Chef Weidmann stimmte gegen EZB-Beschlüsse

Die EZB hat sich festgelegt: Die Zinsen sollen noch für lange Zeit unten bleiben. Der entsprechende Beschluss fiel allerdings ohne Zustimmung eines deutschen Mitglieds des Notenbankrats.
Bundesbankchef Weidmann (2019): Gegen zu lange Fortschreibung der tiefen Zinsen

Bundesbankchef Weidmann (2019): Gegen zu lange Fortschreibung der tiefen Zinsen

Foto:

RALPH ORLOWSKI / REUTERS

Die Europäische Zentralbank (EZB) will noch lange Zeit an ihrer extrem lockeren Geldpolitik festhalten – das machte die Notenbankchefin Christine Lagarde nach der Zinssitzung des EZB-Rats deutlich. Doch nicht alle Mitglieder des Gremiums wollten dabei mitgehen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat gegen die Beschlüsse zum geldpolitischen Ausblick gestimmt. Ihm sei »die potenziell zu lange Fortschreibung des Niedrigzinsumfelds zu weitgehend«, sagte er in einem Interview der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«.

Grundsätzlich herrsche im EZB-Rat aber Einigkeit, dass eine expansive Geldpolitik zur Zeit angemessen sei, sagte Weidmann. Sein Ratskollege Pierre Wunsch, der Belgiens Notenbank leitet, hatte den Ausblick ebenfalls abgelehnt. Auch aus seiner Sicht legt sich die EZB damit vorab zu stark fest.

Die Anpassung des Zinsausblicks war notwendig geworden, nachdem sich die Währungshüter vor zwei Wochen im Zuge ihres Strategiechecks ein neues Inflationsziel gesetzt hatten. Die EZB strebt nun mittelfristig zwei Prozent Teuerung an. Bislang hatte das Ziel auf knapp unter zwei Prozent gelautet. Die Notenbanker wollen nun unter anderem ihre Leitzinsen so lange auf dem aktuellen oder einem noch tieferen Niveau halten, bis zu sehen ist, dass die Inflation zwei Prozent erreicht und dann erst einmal so bleibt.

Weidmann äußerte sich in dem Interview auch zur Entwicklung der Inflationsrate. Er rechnet mit einem starken Anstieg der Teuerung in der nächsten Zeit. »Meine Fachleute erwarten etwa für Deutschland zum Jahresende 2021 Raten, die in Richtung fünf Prozent gehen könnten«, sagte er. Dabei seien aber vor allem vorübergehende Effekte am Werk. Längerfristig müsse man die unterschiedlichen Faktoren dennoch »genau im Auge behalten«.

Für den gesamten Euroraum geht die EZB bislang für dieses Jahr von einer Inflationsrate von 1,9 Prozent aus. Sie erwartet zudem in den nächsten Monaten weiter anziehende Preise. Für das nächste Jahr rechnet sie bislang allerdings mit einer wieder schwächeren Rate von 1,5 Prozent gefolgt von 1,4 Prozent im Jahr 2023.

fdi/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.