Michael Sauga

EZB-Geldpolitik Der grüne Irrweg der Christine Lagarde

Michael Sauga
Eine Kolumne von Michael Sauga
Europas neue Zentralbankchefin erwägt, die Geldpolitik in den Dienst des Klimaschutzes zu stellen. Das wäre ein Fehler.
Christine Lagarde: Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB)

Christine Lagarde: Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB)

Foto: Elmar Kremser/ Sven Simon/ imago images

Für den Klimaschutz hatte Christine Lagarde schon immer viel übrig. „Wenn wir nichts unternehmen, werden wir in 50 Jahren getoastet, geröstet und gegrillt“, sagte sie, als sie noch Präsidentin des Internationalen Währungsfonds war. Jetzt, als Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), will sie das Thema erst recht anpacken. Künftig müssten möglichst alle europäischen Institutionen beim Kampf gegen die Erderwärmung mitmachen, forderte sie. Man werde schauen, wo und wie die Zentralbank „hier dabei sein“ könne. 

Der Kreis ihrer Unterstützer ist groß. Der Club of Rome, die Grünen im Europaparlament, viele Finanzexperten und eine Reihe von Notenbankern werben eindringlich für eine ökologische Geldpolitik. Die Zentralbank, so verlangen sie, müsse bei ihren Beschlüssen künftig nicht nur aufs Konsum-, sondern auch aufs Weltklima achten. Gibt es also bald Strafzinsen für Kohlegruben? Oder heißt es demnächst: „Gelddrucken fürs Klima“? 

Vorsicht ist angebracht. Dass die Klimakrise die finanzielle Stabilität vieler Firmen und Branchen gefährdet, ist unbestritten. Ölkonzerne, Tagebaue oder Stahlküchen setzen in großem Stil Co2 frei. Würde der Ausstoß des Gases verboten, besteuert oder bepreist, wie es etwa im jüngsten Klimapaket der Großen Koalition vorgesehen ist, entstehen hohe Kosten. Sie könnten manche Firmen in die Pleite treiben, ihre Kredite und Anleihen entwerten und in der Folge auch die beteiligten Geld- und Finanzinstitute in Schwierigkeit bringen. Experten haben deshalb keine Zweifel, dass der Kampf gegen die Erderwärmung bei der Banken- oder Finanzaufsicht künftig eine Rolle spielen muss. 

Eine andere Frage aber ist, ob die Notenbanker auch bei ihrer Hauptaufgabe als Klimaschützer aktiv werden sollten: der Geldpolitik. Muss die Währungsbehörde also gezielt die Anleihen CO2-freier Unternehmen aufkaufen, wenn sie Geld in Umlauf bringen will? Ja, sagen Lagardes Unterstützer. Schließlich erwerbe die Zentralbank heute zu etwa einem Drittel die Wertpapiere CO2-intensiver Unternehmen und trage damit indirekt zur Klimakrise bei. Nein, argumentieren ihre Kritiker. Würden die Währungshüter nämlich geringere oder höhere Anteile erwerben, griffen sie direkt in die Umweltpolitik ein. Die aber sei Aufgabe gewählter Politiker. Setzten sich die Währungshüter darüber hinweg, würden sie ihr Mandat übertreten und die eigene Unabhängigkeit gefährden, sagen die Gegner einer Öko-EZB. 

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