Direktoriumsmitglied Asmussen EZB soll Sitzungsprotokolle veröffentlichen

Die beiden Direktoriumsmitglieder der Notenbank, Jörg Asmussen und Benoît Coeuré, plädieren dafür, die Protokolle der streng geheimen Treffen des EZB-Rats zu veröffentlichen - schließlich sei die EZB die einzige große Notenbank der Welt, die ihre Protokolle noch geheim halte.

EZB-Direktor Asmussen: Transparenz ist wichtig
DPA

EZB-Direktor Asmussen: Transparenz ist wichtig


Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte transparenter werden: Spitzenvertreter der EZB haben sich dafür ausgesprochen, die Sitzungsprotokolle der bislang streng geheimen Ratstreffen zu veröffentlichen. "Die Protokolle sollten enthalten, wer für was gestimmt hat und mit welcher Begründung", sagte Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen der "Süddeutschen Zeitung" und "Le Figaro".

Asmussens Direktoriumskollege Benoît Coeuré sagte: "Transparenz ist wichtig für die Effektivität der Geldpolitik und für das Vertrauen in die Zentralbank." Die Gesellschaft fordere diese Transparenz ein, die EZB sei die einzige große Notenbank der Welt, die ihre Protokolle noch geheim halte.

Das Thema ist umstritten, da gefürchtet wird, dass nach der Veröffentlichung der Druck auf einzelne EZB-Vertreter steigen könnte. Asmussen sagte mit Blick auf die Debatte an der EZB-Spitze: "Jede Mehrheit startet als Minderheit. Die Diskussion im Rat dauert an."

Noch transparenter sollte die EZB nach den Worten der beiden Direktoriumsmitglieder werden, wenn sie im kommenden Jahr die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone übernimmt. "Bankaufsicht kann im Falle einer Restrukturierung zur Belastung öffentlicher Haushalte führen. Deswegen brauchen wir bei der Aufsicht eine stärkere Rechenschaftspflicht als bei der Geldpolitik", so Coeuré.

Die einheitliche Bankenaufsicht ist ein Pfeiler der geplanten, aber umstrittenen europäischen Bankenunion. Diese soll für mehr Stabilität im europäischen Finanzsektor sorgen - als Reaktion auf die Finanz- und Staatsschuldenkrise der vergangenen Jahre.

Bevor die Aufsicht startet, will die EZB eine Überprüfung der Bankbilanzen vornehmen. Die beiden Direktoren gaben nun bekannt, dass diese Prüfung Anfang des kommenden Jahres beginnen werde. Die gemeinsame zentrale Aufsicht über die Banken in den Euro-Ländern wird bis Mitte 2014 unter dem Dach der EZB eingerichtet.

nck/dpa/AFP

insgesamt 17 Beiträge
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Dr.pol.Emik 29.07.2013
1. Wer will denn heute schon Transparenz?
Das ist doch nur eine Forderung an die Bürger, dass sie bis auf die Unterhose transparent werden. Wenn es um unser aller Wohl geht, die Minderheit der Banken zu retten, die Umverteilung von unten nach oben zu retten, da wird leicht jeder Bürger einsehen, dass es dort keine Transparenz geben kann. Die Konkurrenz könnte schließlich Einsicht in die detaillierten Geschäftsgeheimnisse nehmen … wer sollte das wollen? Wie? Sie da soll es Geschäftsgeheimnisse geben? Nun, wenn wir den Spuren der *Guthabenkrise* folgen, dann gibt es da ein paar Kleinigkeiten, die muss man den Bürgern nicht auf die Nase binden, die könnten beunruhigend wirken: *Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch Guthabenkrise* (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) … wer will schon von er doppelten Krise hören. Wichtig ist doch, dass die üppigen Banker-Boni fließen können und wir aktiven Minderheitenschutz gewährleisten können. Dass die Reichen immer reicher werden, ohne dass es die Armen ärgert. Da braucht es einfach diese kleinen Geheimnisse, sonst wäre doch die Solidarität der Bürger mit dieser Minderheit in höchster Gefahr … …
si tacuisses 29.07.2013
2. Da scheint mir doch ein ganz anderer Grund für die angestrebte
Zitat von sysopDPADie beiden Direktoriumsmitglieder der Notenbank, Jörg Asmussen und Benoît Coeuré, plädieren dafür, die Protokolle der streng geheimen Treffen des EZB-Rats zu veröffentlichen - schließlich sie die EZB sei die einzige große Notenbank der Welt, die ihre Protokolle noch geheim halte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/ezb-direktor-asmussen-ezb-soll-sitzungsprotokolle-veroeffentlichen-a-913597.html
Veröffentlichung in den Köpfen zu kreisen: Eine Transparenz hätte von Anfang an herrschen müssen. Jetzt, wo die Schweinereien und rechtswidrigen Vorgänge zur Gewohnheit geworden sind, die Menschen in den Geberländern so langsam merken, dass man sie mit Haut und Haaren verkaufen will, geht einigen Herrn des Direktoriums scheinbar der Stift. Der Euro nähert sich seinem natürlichen Ende und wenn der Knall kommt, will keiner es gewesen sein. Gut wenn man dann auf andere mit dem Finger zeigen kann: "Seht mal, der ist schuld."
Progressor 29.07.2013
3. Anderer Transparenzwunsch
Die EZB möchte bitte nach Euroländern aufgeschlüsselt die eingesetzten Maßnahmen und den jeweiligen Betrag vierteljährlich veröffentlichen. Ich denke, wenn wir schon dafür haften, dann haben wir auch ein Recht darauf zu erfahren in welcher Höhe, für wen, und wie die mögliche Verlustabschreibung dann auf uns zukäme. Was mir bei Letzteren z.B. immer noch nicht klar ist, ob die ELA-Hilfen der EZB oder der regionalen Notenbank zugeordnet, d.h. diese dann zur jeweiligen Staatsverschuldung zugerechnet werden.
dunkelmerkel 29.07.2013
4. Was soll es
da schon zu sehen geben? Dort treffen sich Banker und Politiker und besprechen, wie sie die Banken noch besser mit unseren Steuergeldern versorgen können. Wenn Sie wirklich wissen wollen, was dort gesprochen wird, fragen sie beim NSA nach...der dürfte es wissen.
felisconcolor 29.07.2013
5. würde sicherlich
etwas zur Transparenz dieses ganzen Europa Dschungels beitragen. Ein einiges Europa ist immer noch eine gute Idee. Nur diese Idee kommt beim Bürger nicht an, wenn alles hinter verschlossenen Türen abgekaspert wird. Damit gewinnt man kein Vertrauen. Hinterher nur Ergebnisse zu präsentieren reicht nicht. Der Bürger möchte schon wissen wie es zu dem ein oder anderen Fazit gekommen ist. Und kann es dann eventuell auch nach vollziehen.
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