Billionenprogramm Draghi bereitet Finanzmärkte auf mehr Anleihekäufe vor

Die Krise in den Schwellenländern wie China und Brasilien trifft die Wirtschaft in der Eurozone. Die Europäische Zentralbank will gegensteuern - und erwägt, ihr 1,1 Billionen Euro schweres Anleihekaufprogramm auszudehnen.

EZB-Chef Draghi: Abwärtsrisiken
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EZB-Chef Draghi: Abwärtsrisiken


Die Europäische Zentralbank (EZB) sorgt sich angesichts der Krise in großen Schwellenländern auch um die Entwicklung der europäischen Wirtschaft. Sowohl beim Wachstum als auch bei der Inflationsentwicklung korrigierte die Notenbank ihre bisherigen Prognosen nach unten. Für das laufende Jahr erwartet die EZB für die Eurozone nun nur noch einen Anstieg der Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent, bei einer minimalen Preissteigerung von 0,1 Prozent.

Die wirtschaftliche Erholung falle schwächer aus als erwartet, sagte EZB-Chef Mario Draghi und erwähnte als Gründe vor allem die Probleme in den Schwellenländern. Noch sei es zu früh, um die vollen Auswirkungen dieser Entwicklungen einzuschätzen. Explizit wies Draghi darauf hin, dass selbst die neuen Wirtschaftsprognosen vom 12. August stammten. Die Abwärtsrisiken hätten sich seitdem noch einmal erhöht.

Hintergrund sind die Entwicklungen in Ländern wie China und Brasilien, die in den vergangenen Jahren zu den stärksten Wachstumstreibern der Weltwirtschaft zählten und nun mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen. Das lässt auch die globale Nachfrage nach europäischen Produkten sinken - mit entsprechenden Auswirkungen vor allem auf exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland.

Die EZB will nun abwarten, wie folgenschwer die Entwicklungen sind - und dann gegebenenfalls handeln. "Das Anleihekaufprogramm ist ausreichend flexibel was die Anpassung von Größe, Zusammensetzung und Dauer angeht", sagte Draghi. Falls nötig, könne das bis Februar 2016 laufende Programm auch darüber hinaus verlängert werden. Eine sofortige Ausweitung des Programms stehe aber nicht an.

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Erklär-Comic: Warum die EZB massenhaft Staatsanleihen kauft
Das von Fachleuten "Quantitative Easing" genannte Programm sieht bisher Käufe von Staatsanleihen, Pfandbriefen und Hypothekenpapieren im Volumen von rund 60 Milliarden Euro pro Monat vor.

Mit dem Programm sollen Banken dazu gebracht werden, weniger in Anleihen zu investieren und stattdessen mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. So soll die Wirtschaft in Schwung kommen und auch die Preise wieder stärker steigen. Zuletzt lag die Inflationsrate in der Eurozone bei gerade mal 0,2 Prozent - deutlich unter dem Zielwert der EZB von knapp unter zwei Prozent.

Aktieninvestoren reagierten am Donnerstag mit Käufen auf Draghis Ankündigungen. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen sprang während der Rede nach oben und notierte am Nachmittag 2,4 Prozent im Plus.

stk



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
flieger56 03.09.2015
1.
Kann denn wirklich niemand diesen Wahnsinn stoppen ?
fussball11 03.09.2015
2.
Von keinem Wähler Europas dazu legitimiert Steuergelder auszugeben, aber mit Kohle für die Industrie um sich werfen. Demokratie anno 2015. Ist aber auch egal, die Kohle ist eh weg.
bjbehr 03.09.2015
3. ... dass man Geld nicht essen kann
Draghi und seine FinanzWeltHerrenMenschen habens noch nicht begriffen: Ihre Tanz ums Goldene Kalb nimmt immer hysterischere Ausmaße an und bereiten damit selbst den Großen Knall vor, an dem diese dann die Hauptschuld tragen, staatlich gefördert noch dazu. Was treibt solche Typen um? Nach mir - Ablösung, Pension, was auch immer - die Sintflut? Scheint ganz so und dergleichen gab und gibt es viele.
salkin 03.09.2015
4.
Es wird wohl immer das Geheimnis bleiben wie Herr Draghi mit dem Ankauf riskanter Anleihen die wirtschaftlichen Probleme in China lösen will. Nutzen tut das Programm doch nur den überschuldeten Staaten die sich weiter billig finanzieren können. Das Beispiel Japan zeigt, dass das QE Programm für die Wirtschaft nichts bringt. Am Ende wird das Ergebnis sein, dass die EZB mindestens 33% aller Staatsanleihen dauerhaft hält und damit vergemeinschaftet. Am Beispiel Deutschland vor dem Euro kann man lernen, dass nicht eine schwache Währung Investitionen anzieht sondern nur eine starke Währung. Nur dann werden überflüssige Kapazitäten abgebaut und durch zukunftsträchtige ersetzt. Diese Investitionen schaffen Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
mr midas 03.09.2015
5.
Zitat von flieger56Kann denn wirklich niemand diesen Wahnsinn stoppen ?
Nein, ... point of no return ist lange überschritten °!° Es geht wohl nur noch darum, den Dampfer möglichst lange über Wasser zu halten :))))
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