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03. Juli 2012, 07:11 Uhr

Euro-Krise

EZB-Mitarbeiter klagen über Stress

Auf die Europäische Zentralbank ist in der Euro-Krise bislang Verlass - gerät nun die Retterin selbst in Gefahr? Die Mitarbeiter der Notenbank sind einem Zeitungsbericht zufolge stark überlastet. In einem Brief an Bankchef Mario Draghi ruft ihre Gewerkschaft um Hilfe.

Frankfurt am Main/Hamburg - Alarm bei den obersten europäischen Bankern: Gewerkschafter warnen die Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor einer Überlastung der eigenen Mitarbeiter. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, sprach die Gewerkschaft Ipso in einem Brief an EZB-Chef Mario Draghi und die anderen Mitglieder des Direktoriums von einer "akuten Gefahr" für die Euro-Notenbank. Die EZB sei nicht angemessen mit Personal ausgestattet, um ihre gegenwärtigen Aufgaben zu erfüllen, von künftigen, immer wichtigeren Aufgaben ganz zu schweigen, schreibt die Ipso den Angaben zufolge in dem Brief.

Die Gewerkschaft bezieht sich bei ihrer Kritik laut "FTD" auf eine Umfrage unter 715 Beschäftigten der EZB, also einem Großteil der Mitarbeiter. Demnach klagten 80 Prozent von ihnen über eine hohe Arbeitsbelastung. Fast 20 Prozent hätten angegeben, die Arbeitsbelastung beeinflusse ihre Leben massiv, und 16 Prozent hielten die Folgen für Gesundheit und Privatleben für ernst.

Seit Ausbruch der Euro-Krise müssen die Notenbanker mehr denn je arbeiten. Um die Reform- und Sparprogramme zu kontrollieren, sind EZB-Mitarbeiter andauernd in Europas Krisenstaaten wie Griechenland, Irland oder Portugal unterwegs, sind Teil der Troika aus Zentralbank, Internationalem Währungsfonds und der EU-Kommission. Mit dem Euro-Beschluss, eine Bankenaufsicht bei der EZB anzusiedeln, droht noch mehr Arbeit. Mitte Juni stellte Draghi bei einer Mitarbeiterversammlung deshalb schon mehr Personal in Aussicht.

yes/dpa-AFX

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