Reform bei der Notenbank EZB will seltener über Zinsen entscheiden

Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins auf seinem Rekordtief und will bald deutlich seltener über den Preis des Geldes beraten. Ab 2015 sollen die Notenbanker nur noch alle sechs Wochen entscheiden.

EZB-Präsident Draghi: Der bisherige Rhythmus war "einfach zu dicht"
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EZB-Präsident Draghi: Der bisherige Rhythmus war "einfach zu dicht"


Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) will ihre Arbeit transparenter machen und die Erwartungen der Finanzmärkte dämpfen. Um nicht jeden Monat von Spekulationen getriebene Kursbewegungen zu provozieren, werde die Notenbank ab dem kommenden Jahr nicht mehr monatlich, sondern nur noch alle sechs Wochen über die Leitzinsen für die Euro-Zone entscheiden, kündigte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt am Main an.

"Die Frequenz der Treffen zu den geldpolitischen Beschlüssen wird sich ab Januar 2015 auf einen Sechs-Wochen-Rhythmus ändern", kündigte Draghi an. Den bisher monatlichen Rhythmus habe der Gouverneursrat zuletzt als "einfach zu dicht" gesetzt empfunden.

"Jeden und jeden Monat" werde an den Märkten die Erwartung erzeugt, die EZB solle handeln, führte Draghi aus. "Aber die EZB kann und sollte nicht jeden Monat handeln", betonte er. Dafür sei die aktuelle Situation in der Eurozone zu komplex. Allein schon der Umstand, dass es regelmäßig derartige Erwartungen an die EZB gebe, rufe ein gewisses kurzfristiges Marktverhalten hervor, "das wenig oder nichts mit den Grundlagen an den Märkten zu tun hat", sagte der EZB-Präsident. Mit den längeren Abständen zwischen den Treffen wollen die Währungshüter demnach diese Dynamik entschleunigen.

Leitzins bleibt bei 0,15 Prozent

Darüber hinaus gebe es auch noch einen "eher logistischen" Grund für die Verlängerung der Abstände zwischen den Treffen. Die Notenbanker hätten sich dafür entschieden, ab 2015 Berichte zu jeder Leitzinssitzung zu veröffentlichen, kündigte Draghi an. Dies solle zeitnah nach einem Gouverneurstreffen geschehen, noch bevor die nächste Zinssitzung ansteht. Das alle vier Wochen zu bewerkstelligen, "wäre ein wenig kompliziert geworden", sagte Draghi.

Die EZB-Leitzins-Entscheidung für Juli fiel indes so aus, wie es die Analysten erwartet hatten: Die Notenbanker hielten an den zuletzt im Juni gesenkten Leitzinsen fest. Der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, bleibt demnach bei 0,15 Prozent. Für kurzfristige Einlagen bei der EZB müssen Institute weiter einen Strafzins von 0,1 Prozent zahlen. Die Währungshüter wollen damit die Kreditvergabe in der Eurozone und das Wirtschaftswachstum ankurbeln und die weiterhin niedrige Inflation nach oben treiben. Zuletzt lag die Teuerungsrate in der Eurozone bei 0,5 Prozent.

Die EZB erwarte, dass die Inflation in diesem Jahr noch niedrig bleibe, bevor sie 2015 und 2016 wieder anziehe in Richtung des Zielwertes von knapp unter zwei Prozent, sagte Draghi. Helfen soll dabei auch ein im Juni verkündetes Programm mit zweckgebundenen Notenbankkrediten. Details für dieses Konstrukt habe die EZB nun festgelegt. Es geht um bis zu eine Billion Euro. Erstmals sollen sich Banken demnach im September und im Dezember Geld bei der EZB leihen können, um es als Kredite weiterzugeben, Immobiliendarlehen werden dabei allerdings ausgeschlossen.

stk/AFP



insgesamt 4 Beiträge
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marthaimschnee 03.07.2014
1.
Pfff, wenn die wirtschaftliche Entwicklung so weitergeht, reicht einmal im Jahr! Zu beschließen gibt es eh nichts mehr, man ist praktisch ja am Ende und selbst das bringt nichts.
spon-facebook-10000153145 03.07.2014
2. dann freuen wir uns...
... dass die preise in den nächsten jahren wieder kräftiger anziehen. was sind das eigentlich für verbrecher die die macht haben so etwas zu regulieren?
spiegelinator 03.07.2014
3. Immobiliendarlehen werden dabei allerdings ausgeschlossen.
natürlich wird da der kleine Häuslebauer wieder ausgeschlossen. Der soll fleißig Miete zahlen.
hds-finanzen 04.07.2014
4. Die Finanzkrise kostet die deutschen Sparer jährlich 100 Mrd. €
Das Geldvermögen der deutschen privaten Haushalte (Bargeld, Einlagen, Wertpapiere, Versicherungsansprüche) beträgt laut Bundesbankstatistik zurzeit ca. 5 Billionen €. Den angemessenen Leitzins für Deutschland ohne Finanzkrise hat jüngst die Brüsseler Denkfabrik Bruegel mit 4% errechnet (anstatt tatsächlich 0,15%). Daraus kann man folgern, dass auch die Einlagenzinsen ohne Finanzkrise 4 % höher wären als heute. Korrigiert man diesen Prozentsatz willkürlich, um sich nicht angreifbar zu machen, auf 2 %, dann bekommen die deutschen Privathaushalte heute immer noch jährlich 100 Mrd. € zu wenig Zinsen für ihr Geldvermögen (bei 4 % wären es 200 Mrd. €). Das ist der Betrag, den die deutschen Sparer weitgehend lautlos für die Sanierung der Südstaaten in der Finanzkrise bezahlen.
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