Fachkräfte-Studie Deutschland droht der "Brain Drain"

Das Ergebnis ist erschütternd: Im vergangenen Jahr durften sich laut Zeitungsbericht nicht mal 500 Hochqualifizierte in Deutschland niederlassen - dabei suchen etliche Firmen verzweifelt Fachkräfte. Experten werfen der Großen Koalition Versagen bei der Zuwanderung vor.


Hamburg - Deutschland braucht dringend mehr qualifizierte Einwanderer, doch die bleiben der Republik nach wie vor fern. Eine Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zählte im vergangenen Jahr gerade 466 Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Ländern, die sich in Deutschland niederlassen durften, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Das seien gerade zehn Fälle mehr als im Vorjahr.

Suche nach IT-Spezialisten: Für knapp zwei Drittel der Befragten gestaltet sich die Mitarbeitersuche schwer bis sehr schwer
FischerAppelt

Suche nach IT-Spezialisten: Für knapp zwei Drittel der Befragten gestaltet sich die Mitarbeitersuche schwer bis sehr schwer

Die Erlaubnis, sich in Deutschland niederzulassen, gilt nur für Angestellte mit einem Jahresgehalt von mindestens 85.000 Euro. Die Regelung ist für Wissenschaftler, Professoren und Führungskräfte gedacht.

Stagnierte die Zahl der hochqualifizierten Einwanderer nur, nahm die Zahl der eingereisten Ingenieure und Spezialisten laut Studie sogar ab. Mit einer nur befristeten Arbeitserlaubnis kamen im vergangenen Jahr gut 22.700 Menschen nach Deutschland, berichtet die "SZ". Im Vorjahr waren es noch 32.600.

Lediglich bei den Selbständigen stieg die Zahl der Einwanderer leicht an, berichtet das Blatt. Waren es 2006 noch 2370, sind es im vergangenen Jahr 2850 gewesen. Grund für den Anstieg dürfte die Lockerung des Zuwanderungsrechts sein. Bis Sommer 2007 musste ein Selbständiger eine Million Euro investieren und zehn Arbeitsplätze schaffen, um mindestens drei Jahre in Deutschland bleiben zu dürfen. Inzwischen hat die Große Koalition die Anforderungen halbiert - auf eine halbe Million und fünf Arbeitsplätze.

Dennoch: Die Fachkräfte kommen nicht im gewünschten Maße ins Land, Unternehmen haben erhebliche Probleme, qualifizierte Fachkräfte zu finden. Für 61 Prozent der Firmen endet die Suche mit einem unbefriedigenden Ergebnis, wie eine Umfrage unter 1300 Entscheidern quer durch alle Branchen ergab, die manager-magazin.de und die Kommunikationsagentur Fischer Appelt in Auftrag gaben.

Problematisch ist es demnach vor allem, den hohen Bedarf an gut ausgebildeten IT-Spezialisten und Ingenieuren zu decken. Etwa jeder zweite Arbeitgeber hat Schwierigkeiten bei der Suche nach diesen Berufsgruppen.

Der Fachkräftemangel bremst die deutsche Konjunktur erheblich: Laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums kostet das Fehlen von qualifiziertem Personal die Unternehmen jedes Jahr gut 20 Milliarden Euro. Besonders akut sind die Engpässe im Maschinenbau, Fahrzeugbau, in der Metall- und Elektroindustrie sowie in den Bereichen Informatik und Naturwissenschaften.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sagte der "SZ", man müsse die aktuellen Zahlen als "Warnsignal" sehen. Der Großen Koalition warf er Versagen bei der Zuwanderung vor. Sie habe "alles getan, um das Image eines reservierten Landes aufrechtzuerhalten".

ssu



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