Zu wenig Bewerber Beamtenbund warnt vor Ausbluten von Polizei und Behörden

Der Staat als Arbeitgeber wird immer unattraktiver - mit dramatischen Folgen: Personal fehlt vor allem bei Verwaltungen in Ostdeutschland, bei der Polizei und den Steuerbehörden.
Foto: Noah Wedel / imago images

Nicht nur viele Firmen haben zunehmend Probleme, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Auch der Deutsche Beamtenbund warnt vor einem dramatischen Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst. Schon jetzt bluteten in Ostdeutschland die Verwaltungen aus, weil viele Beschäftigte von westdeutschen Ländern abgeworben würden, sagte DBB-Chef Ulrich Silberbach der "Augsburger Allgemeinen".

Die ohnehin schon große Personalnot in ostdeutschen Kommunen werde so noch weiter verschärft. Auch im Westen sei die Personalnot bei Polizei, Justiz, Steuerverwaltung und vor allem IT-Fachkräften inzwischen besonders groß.

Im Konkurrenzkampf um Fachkräfte reiche inzwischen nicht mehr aus, dass der Staat besonders sichere Arbeitsplätze biete. Auch die Aussicht auf auskömmliche Pensionen locke junge Menschen nicht mehr ausreichend an. "Die Attraktivität des öffentlichen Dienstes hängt nicht allein vom Geld ab", sagte Silberbach. Um mehr junge Leute zu gewinnen, "müssen wir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Beruf und Pflege von Angehörigen, ja auch von Beruf und Freizeit verbessern".

Große Probleme bei Finanzämtern

Auch die vielfache Befristung von Stellen im öffentlichen Dienst treibe junge Menschen in die freie Wirtschaft. Für den Osten sei die volle Angleichung der Gehälter im öffentlichen Dienst an das Westniveau notwendig, forderte Silberbach. Besoldungsunterschiede von bis zu 400 Euro im Monat "lassen sich mit der unterschiedlichen Wirtschaftskraft der Bundesländer nicht mehr erklären". Auch was Weihnachtsgeld oder Beförderungen betreffe, gebe es große Unterschiede zwischen West und Ost.

Dramatisch sei der Personalmangel auch in der Steuerverwaltung. Dies gelte insbesondere für die Betriebsprüfung. "Auch bei der Polizei fehlt in hohem Maße Personal", betonte der DBB-Chef. So bekämen die Bürger den Eindruck, sie könnten sich nicht mehr sicher im öffentlichen Raum bewegen. "Das führt zu Spannungen, Unruhe und Unzufriedenheit, ja stärkt letztlich Parteien wie die AfD", warnte Silberbach.

beb/afp
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.