Einigung mit Klägerin Axel Springer kann US-Prozess um Julian Reichelt vermeiden

An einem kalifornischen Gericht hatte eine frühere Mitarbeiterin Klage wegen Ex-»Bild«-Chef Julian Reichelt eingereicht. Zum Prozess kommt es nun nicht: Beide Seiten haben sich außergerichtlich geeinigt.
Julian Reichelt (im Sommer 2019)

Julian Reichelt (im Sommer 2019)

Foto:

JENS SCHLUETER / EPA

Wahrscheinlich hatten beide Seiten wenig Interesse, die Details der Affäre öffentlich zu verhandeln: Zu dem US-Gerichtsverfahren zwischen einer Ex-»Bild«-Mitarbeiterin und dem Axel-Springer-Verlag wird es nicht kommen. Wie das Portal »Medieninsider« berichtet , haben beide Seiten einen Vergleich geschlossen. Ein Sprecher des Konzerns bestätigte eine »einvernehmliche Lösung«, ohne Details zu nennen.

Erst im September hatte die Frau an einem kalifornischen Gericht Klage gegen »Bild« sowie gegen eine Tochterfirma des Axel-Springer-Verlags eingereicht. Unter anderem ging es um den Vorwurf der sexuellen Belästigung. Der SPIEGEL hatte die konkreten Vorwürfe im Herbst vergangenen Jahres beschrieben, die Betroffene wurde auch im Rahmen der externen Untersuchung durch die Kanzlei Freshfields angehört.

Offenbar keine Beweissicherung mehr nötig

Für den Springer-Verlag galt die Klage als heikel und potenziell kostenintensiv. Erstens gelten in den USA strengere Regeln für den Umgang zwischen Führungskräften und Angestellten, hohe Schadensersatzforderungen sind bei ähnlich gelagerten Fällen nicht unüblich. Zweitens arbeitet der Verlag mit Hochdruck an seinen unternehmerischen Aktivitäten in den USA – und legt dabei viel Wert auf ein sauberes Image. 2021 hatte Verlagschef Mathias Döpfner das US-Medium »Politico« für den geschätzten Kaufpreis von einer Milliarde Dollar übernommen, zuvor kaufte Springer das Wirtschaftsportal »Business Insider«.

Nach Informationen von »Medieninsider« hatte der Konzern gegenüber seinen Angestellten eine Legal Hold Notice ausgesprochen. Damit werden potenzielle Zeugen dazu angehalten, relevante Informationen als mögliches Beweismaterial aufzubewahren. Diese Legal Hold Notice wurde nun zurückgezogen und ist offenbar nicht mehr nötig.

Die Affäre Julian Reichelt beschäftigt den Konzern nun bereits seit rund anderthalb Jahren. Im März 2021 hatte Springer ihn zunächst aufgrund einer Compliance-Untersuchung freigestellt, wenig später aber wieder eingesetzt – weil es nicht gerechtfertigt sei, »Julian Reichelt aufgrund der in der Untersuchung festgestellten Fehler in der Amts- und Personalführung – die nicht strafrechtlicher Natur sind – von seinem Posten als Chefredakteur abzuberufen«, so die Begründung.

Im Oktober 2021 schließlich wurde er doch mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Als Folge von Presserecherchen habe das Unternehmen »neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen«, hieß es damals. Er habe auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens »Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt.«

mamk/rai
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.