Fall Mannesmann Ermittlungen gegen IG-Metall-Chef Zwickel

Die Affäre um die Millionenabfindungen im ehemaligen Mannesmann-Konzern weitet sich aus. Insgesamt 160 Millionen Mark verteilten vier Aufseher des Konzerns in den Wirren der Übernahmeschlacht an mehr oder minder verdiente Mitarbeiter. Gegen alle vier, darunter IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, ermittelt die Staatsanwaltschaft.


Klaus Zwickel
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Klaus Zwickel

Hamburg - Klaus Zwickel war Mitglied im so genannten Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten, der in nur wenigen geheimen Sitzungen die Firmenkasse um 160 Millionen Mark erleichterte. Das Geld wurde dann großzügig auf Mannesmann-Manager und Mannesmann-Pensionäre verteilt. Der größte Anteil daran, die Rekordsumme von rund 60 Millionen Mark, ging an Esser, wie das Hamburger "manager magazin" publik machte (siehe: Goldener Handschlag für Esser). Dem vierköpfigen Ausschuss gehörten auch Betriebsratschef Jürgen Ladberg, der Deutsche-Bank-Vorständler Josef Ackermann und Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk an. Gegen Funk und Ackermann wird bereits seit Wochen ermittelt, ebenso gegen Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und Vodafone-Boss Chris Gent.

Nach SPIEGEL-Informationen haben Ackermann, Ladberg und Zwickel am 27. März vergangenen Jahres, wenige Tage bevor Vodafone die Kontrolle über Mannesmann übernahm, im Ausschuss beschlossen, 18 früheren Vorständlern im Rahmen einer Pensionsabfindung rund 60 Millionen Mark zu zahlen. Auch drei ehemalige Arbeitsdirektoren, die auf dem Gewerkschaftsticket zu ihrem Job gekommen seien, haben zu den Empfängern gehört.

Klaus Esser
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Klaus Esser

Mannesmann-Chef Klaus Esser hat damals vor der Zahlung gewarnt und - im Vorfeld sogar rechtlich prüfen lassen, ob früheren Vorstandmitgliedern ein Anspruch auf eine solche Zahlung zusteht, dies wurde verneint. Sollte sich herausstellen, so ein Ermittler gegenüber dem SPIEGEL, dass es für die Zahlung an die Pensionäre keine Rechtsgrundlage gegeben habe und "sie eher willkürlich geleistet" worden sei, dann "wäre damit eindeutig der Tatbestand der Untreue erfüllt."

Vor gut eineinhalb Jahren hatten sich Mannesmann und Vodafone eine erbitterte Übernahmeschlacht geliefert. Am Ende siegte Gent, genannt "der Hai". Esser kapitulierte am 3. Februar 2000.



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