Fallende Energiepreise Opec schraubt Ölproduktion überraschend zurück

Erstmals seit fünf Monaten ist der Ölpreis unter 100 Dollar pro Fass gefallen - nun reagiert die Organisation erdölexportierender Länder, die Opec: Unerwartet senkt sie die Rohöl-Produktion um rund 520.000 Barrel pro Tag. Künftig will sie die Einhaltung ihrer Förderquoten strenger überwachen.


Hamburg/Wien - Die erdölexportierenden Staaten wollten der Talfahrt offenbar nicht mehr tatenlos zusehen: Seit ihrem Hoch im Juli mit knapp 150 US-Dollar pro Barrel waren die Preise um rund 30 Prozent gesunken. Nun reagierte die Organisation erdölexportierender Länder - und drosselt ihre Fördermenge um gut 500.000 Barrel pro Tag. Das entschieden Vertreter der 13 Opec-Mitgliedsländer nach einem Treffen in Wien.

Ölförderanlage in der Wüste von Bahrein: Opec reagiert auf Preisverfall
AP

Ölförderanlage in der Wüste von Bahrein: Opec reagiert auf Preisverfall

Der durchschnittliche Preis für Rohöl war in den vergangenen Wochen von rund 147 US-Dollar auf knapp über 100 US-Dollar am Dienstag gesunken. Die für Europa wichtige Nordsee-Ölsorte Brent war am Dienstagabend in London sogar unter die Marke von 100 Dollar gefallen - den tiefsten Stand seit Anfang April. Nach Bekanntgabe der Opec-Entscheidung zogen die Ölpreise wieder leicht an: US-Leichtöl kostete etwa 103,80 Dollar das Barrel.

In einer Erklärung der Opec vom frühen Mittwochmorgen hieß es, die Organisation habe sich darauf verständigt, maximal 28,8 Millionen Barrel pro Tag zu produzieren. Vor allem die Abschwächung der Weltwirtschaft habe in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass die Nachfrage nach Öl und damit auch der Preis signifikant nachgegeben habe, hieß es weiter.

Der amtierende Opec-Präsident Chakib Khelil sagte vor Journalisten in Wien, angesichts der "überversorgten Märkte" werde man ab sofort auch auf die strikte Einhaltung der neuen Förderquoten achten. Vor allem Saudi-Arabien hatte seit August deutlich mehr Rohöl gefördert als von der Opec vorgesehen.

Die Entscheidung der Ölminister kam letztlich überraschend. Opec-Analysten hatten damit gerechnet, dass die Konferenz die Quoten zumindest bis zur nächsten außerordentlichen Sitzung am 17. Dezember in Oran (Algerien) nicht antasten würde.

Die neue Quote entspreche der vom September 2007, hieß es. Allerdings wurden bei der Berechnung die stark schwankende Förderung des Iraks und die Indonesiens nicht mit einbezogen. Die neuen Opec-Staaten Ecuador und Angola sind jedoch bei der Quote dabei. Zuletzt lag die reale Förderung aller 13 Mitgliedsländer bei über 32 Millionen Barrel pro Tag.

Opec-Präsident Khelil betonte, er gehe davon aus, dass die Preise trotz der Verringerung der Produktion "weiter fallen" würden. Der zurzeit steigende US-Dollar werde sich mäßigend auf die Preise auswirken.

Die 13 Ölminister wählten außerdem den angolanische Ölminister Desidério da Graça Verissímo e Costa, 74, zum amtierenden Präsidenten der Opec-Konferenz für das Jahr 2009. Der Algerier Khelil stand der Konferenz im laufenden Jahr vor. Neuer Vize wird der ecuadorianische Ölminister Galo Chiriboga Zambrano.

flo/dpa/AP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.