Falsche Statistik Bundesagentur meldet zu geringe Arbeitslosenzahlen

Die offiziellen Arbeitsmarktdaten der vergangenen Monate waren falsch. Knapp 40.000 Arbeitslose sind nicht in die Statistik eingeflossen, gab die Bundesagentur für Arbeit heute zu. Ein ganzer Datensatz war einfach verloren gegangen.


Nürnberg - Zwischen der amtlichen Statistik und der tatsächlichen Arbeitslosenzahl gab es eine Differenz, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, heute in Nürnberg bei der Vorstellung der aktuellen Zahlen. Wegen einer Panne bei der Datenübertragung habe die Bundesagentur monatelang zu niedrige Arbeitslosenzahlen gemeldet.

Arbeitsagentur (in Gelsenkirchen): Fehlerprotokoll einfach ignoriert
DPA

Arbeitsagentur (in Gelsenkirchen): Fehlerprotokoll einfach ignoriert

Angefangen hat alles mit einem Fehler im Dezember 2006. Nach Angaben Weises waren damals knapp 40.000 erfasste Arbeitslose nicht in die Arbeitsmarktstatistik eingeflossen. "Ein ganzer Datensatz ist nicht verarbeitet worden", sagte er. Besonders pikant: Das in solchen Fällen automatisch erstellte Fehlerprotokoll blieb von den Mitarbeitern der Bundesagentur unbeachtet liegen.

Die Statistik vom Januar weist dadurch beispielsweise 37.500 weniger Erwerbslose aus, als es tatsächlich gab. Die Differenz zwischen der amtlichen Statistik und der tatsächlichen Arbeitslosenzahl habe sich allerdings in den darauf folgenden Monaten nach und nach verringert und betrage im Mai nur noch 6000, sagte Weise. Der Grund sei, dass viele der nicht erfassten Jobsucher inzwischen eine Stelle gefunden hätten.

"Die Differenz in der Arbeitslosenstatistik ändert aber nichts an unserer generellen Arbeitsmarkteinschätzung und dem Trend", sagte Weise. Die amtliche Statistik werde nun nachträglich korrigiert. Außerdem werde künftig bei auftauchenden Fehlermeldungen die Verarbeitung von Arbeitslosendaten sofort gestoppt.

Weise zufolge deckte erst eine Plausibilitätskontrolle im April die Statistik-Lücke auf. Es sei aufgefallen, dass sich erfolgreiche Jobsucher bei den Arbeitsagenturen abgemeldet hätten, die statistisch gar nicht erfasst waren.

wal/dpa



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