Bericht der Bundesbank Auch Geldfälscher leiden unter der Pandemie

Kaum Weihnachtsmärkte oder Jahrmärkte, schärfere Grenzkontrollen: Die Coronapandemie verdirbt Geldfälschern das Geschäft. Aber: Die Fälschungen werden immer besser – manchmal führt die Spur bis zur italienischen Mafia.
Gefälschter 30-Euro-Schein: Nicht alle Fälschungen sind so leicht zu erkennen

Gefälschter 30-Euro-Schein: Nicht alle Fälschungen sind so leicht zu erkennen

Foto: DPA/ Polizei

Im vergangenen Jahr war deutlich weniger Falschgeld im Umlauf als zuvor. Das geht aus einem Bericht der Bundesbank hervor. »Corona schadet nicht nur dem Ehrlichen, Corona macht auch dem Fälscher das Leben schwerer«, sagte der Vorstand der Bundesbank, Johannes Beermann, in einer Pressekonferenz.

Die Coronabeschränkungen träfen häufig Veranstaltungen, auf denen besonders viel Falschgeld unter die Menschen gebracht würde: Volksfeste beispielsweise oder Weihnachtsmärkte haben im vergangenen Jahr nur selten stattgefunden. Außerdem gab es schärfere Kontrollen an Ländergrenzen, die die Einfuhr von Falschgeld erschwerten.

Niedrigster Stand seit der Einführung von Euro-Bargeld

Rund 41.950 gefälschte Euro-Banknoten wurden 2021 von Polizei, Handel und Banken aus dem Verkehr gezogen – das ist 28,6 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Auch der Wert der sichergestellten Fälschungen verringerte sich gut um ein Drittel auf 1,9 Millionen Euro. Das ist der niedrigste Stand seit dem Jahr der Euro-Bargeld-Einführung 2002.

Bei einem Großteil der Fälschungen handelte es sich wie schon im Vorjahr um Scheine, die im Internet unter den Begriffen »Movie Money« oder »Prop copy« als Spielgeld oder Filmrequisite angeboten werden. Sie haben keinerlei Sicherheitsmerkmale und sind eigentlich leicht als unechte Scheine zu erkennen. Immerhin fiel der Anteil von »Movie Money« am gesamten Falschgeldaufkommen in Deutschland von 30 Prozent auf knapp 22 Prozent. »Ich vermute, dass die Menschen inzwischen stärker darauf achten«, sagte Bundesbank-Vorstand Beermann.

Auch wenn die Pandemie den Absatz von gefälschten Scheinen erschwert, finden Kriminelle immer noch Wege, zum Beispiel über das Darknet. Erst kürzlich durchsuchte die Polizei 29 Wohnungen in elf Bundesländern im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen 27 Verdächtige, die über diesen versteckten Teil des Internets oder verschlüsselte Messengerdienste Falschgeld gekauft haben sollen.

Geldfälscher aus NRW – und Mafiosi aus Italien

Nicht nur in Deutschland sank die Zahl der sichergestellten Fälschungen: In Europa insgesamt lag diese auf dem niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren.

Währungshüter und Geldfälscher befinden sich in einer Art Wettrüsten: Zwar werden Geldscheine mit immer neuen Sicherheitsmerkmalen fälschungssicherer gemacht. Gleichzeitig werden die Fälschungen der Geldscheine immer besser. Im vergangenen Jahr deckten Ermittler in Nordrhein-Westfalen einen Geldfälscher-Ring auf, der Verbindungen zur italienischen Mafia hatte. Die Gruppe soll den neuen 100-Euro-Schein bereits ein halbes Jahr nach dessen Ausgabe als qualitativ hochwertige Fälschung auf den Markt gebracht haben.

jlk/dpa/Reuters
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