Geringes Familieneinkommen Jedes fünfte Kind in Deutschland ist armutsgefährdet

Die Politik bekommt das Problem der Kinderarmut nicht in den Griff. Der aktuelle Anteil armutsgefährdeter Kinder hat einen neuen Höchstwert erreicht.
Kinder in einer Hamburger Kita

Kinder in einer Hamburger Kita

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Christian Charisius/ DPA

Kinder und Jugendliche in Deutschland sind zunehmend von Armut bedroht. Die sogenannte Armutsgefährdungsquote von Menschen im Alter unter 18 Jahren stieg im vergangenen Jahr auf 20,8 Prozent. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor.

Der »Augsburger Allgemeine« vom Montag zufolge ist dies der höchste Wert, der in Auswertungen des sogenannten Mikrozensus seit 2015 gemessen wurde. Damals lag die Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen demnach noch bei 19,7 Prozent, im Jahr 2020 bereits bei 20,4 Prozent.

Als armutsgefährdet gilt in der EU, wer vom Zentralwert (Median) des Nettoeinkommens der Gesamtbevölkerung weniger als 60 Prozent zur Verfügung hat. Für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren zum Beispiel lag dieser Wert bei 2627 Euro im Monat.

Linkenfraktionschef Dietmar Bartsch warnte angesichts der Entwicklung vor einer weiteren Verschärfung der Situation für Millionen Kinder in Deutschland. »Mit der Inflation und den explodierenden Energiepreisen droht ein weiterer massiver Anstieg der Kinderarmut«, sagte Bartsch der Zeitung. »Wir brauchen jetzt einen Schutzschirm für Familien in Deutschland«, forderte der Fraktionschef. »Sie dürfen nach Corona nicht wieder die Verlierer sein.«

»Armutsfeste Grundsicherung«

Die Regierungskoalition müsse dem dritten Entlastungspaket »eine armutsfeste Kindergrundsicherung hinzufügen«, forderte er. Die geplante Erhöhung des Kindergelds um 18 Euro sei deutlich zu wenig.

Mit dem geplanten dritten Entlastungspaket soll das Kindergeld um monatlich 18 Euro für die ersten beiden Kinder angehoben werden und um zwölf Euro für das dritte Kind; die Änderungen sollen ab 2023 greifen. Das Kindergeld beträgt damit für die ersten drei Kinder einheitlich 237 Euro. Der Kinderfreibetrag wird für die Jahre 2022 bis 2024 entsprechend angehoben.

mamk/AFP
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