Familienkonzern Merckle-Firmen erhalten Kreditverlängerung

Aufatmen bei den Erben des verstorbenen Milliardärs Adolf Merckle: Die Gläubigerbanken geben dem Clan mehr Zeit für Sanierung und Verkauf des familieneigenen Konglomerats.


Ulm/Heidelberg - Die ums Überleben kämpfende Merckle-Gruppe bekommt eine Gandenfrist von den Banken: Der im Januar ausgehandelte Überbrückungskredit werde um zwei Monate verlängert, teilte die zur Gruppe gehörenden VEM Vermögensverwaltung am Freitag mit.

Merckle-Tochter Ratiopharm: Zeit für Verkäufe
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Merckle-Tochter Ratiopharm: Zeit für Verkäufe

Nach Angaben aus Unternehmenskreisen läuft der Überbrückungskredit jetzt erst Anfang Juni aus. Im Anschluss werde es einen längerfristigen Kredit geben, um einen geordneten Verkaufsprozess von Unternehmensteilen umzusetzen. Darauf hätten sich die Banken am Mittwoch geeinigt.

Derzeit erstellt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein Gutachten, um den Wert von Merckle-Firmen wie Ratiopharm, HeidelbergCement Chart zeigen und dem Pharmahändler Phoenix zu ermitteln. Mit Ergebnissen werde im April gerechnet, teilte VEM mit.

Die Merckle-Gruppe kämpft mit Schulden in Milliardenhöhe und steckt in schweren Finanznöten. Ein Verkauf von Ratiopharm ist bereits ausgemachte Sache. Wie der älteste Sohn Ludwig des verstorbenen Firmenpatriarchen Adolf Merckle unlängst sagte, gibt es an allen drei großen Industriebeteiligungen der Merckle-Gruppe großes Interesse.

Übersicht: Das Merckle-Imperium auf einen Blick
DER SPIEGEL

Übersicht: Das Merckle-Imperium auf einen Blick

Die hochverschuldete Baustofftochter HeidelbergCement plant ihrerseits milliardenschwere Verkäufe und sucht weiter nach Geldgebern. In den kommenden zwei Jahren will sich das Unternehmen von Beteiligungen im Wert von bis zu zwei Milliarden Euro trennen, sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele am Donnerstag.

Mit Blick auf die Suche nach Geldgebern sagte Finanzvorstand Lorenz Näger: Derzeit spreche man mit potentiellen Investoren, aber es gebe noch keine Ergebnisse zu vermelden. Im Laufe des Geschäftsjahres soll aber auch für HeidelbergCement eine Lösung gefunden werden.

Verluste infolge der Finanzmarktkrise hatten die Merckle-Unternehmensgruppe in die Schieflage gebracht. Gründer Adolf Merckle hatte sich zudem mit VW-Aktien verspekuliert und Presseberichten zufolge bis zu eine Milliarde Euro verloren. Der Milliardär hatte sich Anfang 2009 das Leben genommen.

suc/dpa/dpa-AFX

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