Familienpatriarch Unternehmer-Legende Rudolf August Oetker gestorben

Eine der bestimmenden Unternehmerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit ist tot: Rudolf August Oetker, über vier Jahrzehnte lang Chef der nach seinem Großvater benannten Firmengruppe, starb 90-jährig in einer Hamburger Klinik.


Hamburg - Der Firmenpatriarch Oetker hatte maßgeblichen Anteil daran, dass aus dem Bielefelder Backpulver-Hersteller eines der großen Familienimperien Deutschlands wurde. Er war einer der reichsten Männer des Landes und hat aus drei Ehen acht Kinder. Sein vielleicht wichtigster Grundsatz lautete: "Solange ich lebe, bleibt Oetker ein Familienunternehmen."

Oetker im Jahr 2004: Später Streit über die NS-Vergangenheit des Stiefvaters
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Oetker im Jahr 2004: Später Streit über die NS-Vergangenheit des Stiefvaters

Oetker kam am 20. September 1916 zur Welt; er war der Enkel des Firmengründers und Apothekers Dr. August Oetker. Nach einer Banklehre trat er 1941 mit nur 25 Jahren als Gründererbe in das Backmittelgeschäft ein.

Damals wurde es von Rudolf August Oetkers Stiefvater, Richard Kaselowsky, geleitet. Dieser war kurz nach der Machtergreifung der NSDAP beigetreten und hatte das Unternehmen im Sinne der Nazis geführt - ein Teil der Familienhistorie, von der sich Rudolf August Oetker nie distanzierte.

Mehr Umsatz mit Schiffen als mit Pudding

Als Kaselowsky mit einem Teil der Familie 1944 bei einem Bombenangriff starb, fiel die Alleinverantwortung an Rudolf August Oetker. Getreu der Devise "Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen", diversifizierte er den Konzern. Er stieg in das Geschäft mit Tiefgekühltem und Eiscreme ein, wandelte stille Beteiligungen in Mehrheiten um und gab dem Nahrungsmittel- und Schifffahrtsimperium seine heutige Gestalt. So entstand ein heute in 35 Ländern operierender Konzern mit einem Gesamtumsatz von mehr als sieben Milliarden Euro. Die Oetker-Gruppe versteht sich als "Familienunternehmen mit internationalem Engagement".

Rund 98 Prozent aller Deutschen kennen den Namen Oetker - und denken dabei zuerst an Pudding. Den größten Umsatz nach Sparten erzielt die Gruppe aber nicht mit Lebensmitteln, sondern auf den Weltmeeren: 43,2 Prozent der Erlöse stammten aus dem Reedereigeschäft der Tochter Hamburg Süd.

Mit der Übernahme von Brau und Brunnen stieg Oetker zum größten deutschen Bierbrauer (Radeberger, Jever) auf. Zum Konzern, der mehr als 23.000 Mitarbeiter beschäftigt, gehören auch das Bankhaus Lampe, die Condor-Versicherung, eine Chemiefabrik sowie fünf Luxushotels. Eine weitere Säule ist das Geschäft mit Sekt, Wein und Spirituosen.

2002 die Zukunft des Clans gesichert

1981 übergab Oetker das operative Geschäft seinem Sohn August. Der Senior blieb bis zu seinem Tod Vorsitzender des Beirats der Unternehmensgruppe. Mit der Übertragung seines Vermögens auf die nächste und übernächste Generation sicherte er 2002 das gesellschaftsrechtliche Fundament der Oetker-Gruppe als Familienunternehmen.

Rudolf August Oetker machte sich auch als kunstinteressierter Mäzen einen Namen. Nach Angaben eines Firmensprechers rief er Stiftungen für Kunst, Kultur und Umwelt sowie für Soziales ins Leben. Allerdings kam es zum Streit über die NS-Vergangenheit des Oetker-Stiefvaters: Weil die Stadt Bielefeld die von Oetker gespendete Kunsthalle nicht in "Richard-Kaselowsky-Haus" umbenennen wollte, zog der Unternehmer 1998 seine sämtlichen Leihgaben zurück.

Oetker starb nach Angaben eines Unternehmenssprechers am frühen Morgen. Die Todesursache nannte der Sprecher nicht.

itz/dpa/AP/AFP/ddp



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