Fed-Entscheidung Greenspan erhöht Zinsen

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins erwartungsgemäß um einen weiteren viertel Prozentpunkt angehoben. Beobachter der US-Geldpolitik rechnen damit, dass Notenbank-Chef Alan Greenspan weitere Zinserhöhungen folgen lässt.


Fed-Chef Greenspann: Strategie der modraten Zinserhöhung
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Fed-Chef Greenspann: Strategie der modraten Zinserhöhung

Washington - Der als Schlüsselzins geltende Zielsatz für Tagesgeld steige auf 2,5 Prozent, teilte der für die Geldpolitik verantwortliche Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank Fed nach seiner Sitzung mit.

Die US-Leitzinsen liegen jetzt um einen halben Prozentpunkt über den Notenbankzinsen im Euroraum. Diese dürften Beobachtern zufolge auch nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag auf ihrem historisch niedrigen Niveau von zwei Prozent bleiben.

Die Entscheidung des Offenmarktausschusses der Fed fiel nach einer zweitägigen Sitzung in Washington. Beobachter der US-Geldpolitik gehen davon aus, dass die Notenbank vorerst an ihrer Strategie der moderaten Zinserhöhungen festhält.

Die Auf- und Abwärtsrisiken für die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum hielten sich in etwa die Waage, bekräftigte die Notenbank. Die Lage am Arbeitsmarkt verbessere sich allmählich. Die Erklärung der Fed zur Wirtschaftslage war identisch mit der Stellungnahme nach der letzten Sitzung im Dezember 2004.

Niveau von zwei bis drei Prozent angepeilt

Die Notenbank hatte die Leitzinsen nach einer milden Rezession und den Terroranschlägen 2001 auf das historische Tief von einem Prozent gesenkt. Im Juni vergangenen Jahres kam die Wende. Seitdem hat die Fed die Leitzinsen in fünf Schritten auf 2,25 Prozent erhöht.

Die Notenbanker um Fed-Chef Greenspan haben durchblicken lassen, dass sie ein "neutrales" Zinsniveau anpeilen, das die Inflation in Zaum hält und das Wachstum nicht behindert. Dieses Niveau liegt nach Einschätzung von Volkswirten zwischen drei und vier Prozent.

Es war die erste Sitzung des Offenmarktausschusses der Notenbank in diesem Jahr. Das Gremium legt die Zinsen für kurzfristige Kredite zwischen den Banken fest. Es ist das wichtigste Mittel der Notenbank zur Beeinflussung der wirtschaftlichen Aktivität.

Debatte über Inflationsziel

Die US-Wirtschaft legte im vergangenen Jahr 4,4 Prozent zu. Für das laufende Jahr deuten Prognosen auf rund 3,5 Prozent hin. Allerdings waren die Preise gleichzeitig mit 3,3 Prozent so stark angezogen wie seit vier Jahren nicht mehr.

Die Notenbanker haben auf ihrer zweitägigen Sitzung darüber diskutiert, ob sie ein klares Inflationsziel einführen sollen. Greenspan gilt als Skeptiker, weil der Offenmarktausschuss damit an seiner Ansicht nach an Flexibilität einbüßt. Andere Banker argumentieren, dass dies die Transparenz erhöhe.

Von der in der Nacht zum Donnerstag anstehenden Rede von US-Präsident George W. Bush zur Lage der Nation erhoffen sich Marktbeobachter weitere Hinweise auf die künftige Haushaltspolitik der US-Regierung. Die hohen Defizite im US-Staatshaushalt wie auch in der Leistungsbilanz gelten als Hauptursache für die Dollarschwäche.



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