Zinserhöhung in den USA Diese Entscheidung kann noch teuer werden

Abschied vom Krisenmodus - das ist das Signal der Zinserhöhung der Fed. Die US-Notenbank nährt damit das Wunschdenken, dass nun endlich wieder alles gut wird. Gerade diese Erwartung aber kann dazu führen, dass es eben doch nicht so wird.
Fed-Chefin Janet Yellen: Vielleicht ein teurer Fehler

Fed-Chefin Janet Yellen: Vielleicht ein teurer Fehler

Foto: CHIP SOMODEVILLA/ AFP

Na, merken Sie schon was? Natürlich nicht. Ob der Leitzins der US-Zentralbank Federal Reserve nun etwas unter oder etwas über 0,25 Prozent beträgt, hat für sich genommen keine großen Auswirkungen auf unseren Alltag.

Und doch ist die Welt jetzt eine andere. Amerika erlebt die Zinswende nach Jahren der Nullzinspolitik. Fed-Präsidentin Janet Yellen verkündete den Beschluss in sonniger Laune, als Zeichen, welch langen Weg die US-Wirtschaft schon in Richtung völliger Gesundheit gegangen sei.

Abschied vom Krisenmodus, das ist das Signal aus Washington. Mission accomplished.

Doch das ist gefährlich. Die Aktion der Fed nährt das weltweite Wunschdenken, dass nun endlich wieder alles gut wird. Gerade diese Erwartung aber kann dazu führen, dass es eben doch nicht gut wird. So wie in Europa, wo die Europäische Zentralbank 2011 voreilig die Geldpolitik normalisieren wollte - was die Krise verlängerte und jetzt umso größere Gegenmaßnahmen nötig macht.

Aus eigener Kraft, ohne monetäre Hilfe, bringt die US-Wirtschaft kaum einen soliden Aufschwung zustande (von Europa oder Japan ganz zu schweigen). Die Wachstums- und Arbeitslosenraten sind zwar tatsächlich erfreulich, dahinter verbirgt sich aber eine nach wie vor schlappe Nachfrage: Das Potenzial von Arbeit und Kapital wird bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Zig Millionen haben sich ganz vom Jobmarkt verabschiedet und fallen dadurch aus der Arbeitslosenstatistik. Die Unternehmen investieren kaum, egal wie günstig das Geld ist - weil es sich nicht lohnt in einer Welt, die von Schuldenabbau und Sparsamkeit geprägt ist.

Helfen könnte die Rückkehr zu normalen Inflationsraten von um die zwei Prozent. Steigende Preise senken nicht nur die Schuldenlast von Bürgern, Firmen und Staat. Sie liefern auch einen Anreiz, wirtschaftlich etwas zu wagen - und zu wachsen. Das peilt Yellens Fed auch an, scheint in ihrer Sonnigkeit aber zu unterstellen, das werde sich schon irgendwie ergeben.

Wahrscheinlich ist das leider nicht. Die Erwartung niedriger Inflation verfestigt sich am Markt - umso mehr, weil die Fed nicht die Geduld aufbringt, das Erreichen ihres Zwei-Prozent-Ziels abzuwarten.

So wird das Drohszenario einer dauerhaften Stagnation wahrscheinlicher. Dann muss Yellen vielleicht schon in wenigen Jahren weniger sonnig die leider notwendige Rückkehr zum Nullzins verkünden - und den teuren Fehler von Dezember 2015 korrigieren.


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