Fehmarnbelt So soll der größte Absenktunnel der Welt gebaut werden

Es ist ein Bauvorhaben von gigantischen Ausmaßen: Dänemark plant im Fehmarnbelt den Bau des größten Absenktunnels der Welt. Die wichtigsten Infos zu dem Großprojekt im Überblick.

DPA/Femern A/S

Die Planungen für den Megabau im Meer werden von Protest begleitet. Dessen ungeachtet treibt die staatliche dänische Gesellschaft Femern A/S das Vorhaben feste Fehmarnbelt-Querung voran. Ein Überblick, wie das Projekt aussehen soll:

Für den Bau des Tunnels von Puttgarden nach Rødbyhavn soll eine zwölf Meter tiefe Rinne ausgebaggert werden (keinesfalls gebohrt, wie es manchmal heißt). In den Graben werden anschließend Bauteile abgesenkt, daher der Name: Absenktunnel.

Mit seiner Länge von 17,6 Kilometern wäre der Fehmarnbelt-Tunnel mehr als vier Mal so lang wie der Öresund-Tunnel zwischen Kopenhagen und Malmö und etwa doppelt so lang wie der Transbay Tube Tunnel in San Francisco, der derzeit längste Absenktunnel der Welt. Nach aktuellem Planungsstand besteht die Röhre aus 79 Standard- und zehn Spezialelementen.

Die Standardelemente, für deren Fertigung eine neue Betonfabrik in Rødbyhavn gebaut werden soll, sind jeweils 217 Meter lang und 72.000 Tonnen schwer. Damit hat jede von ihnen die Ausmaße und das Gewicht eines Supertankers. Geplant sind vier Röhren, zwei für eine Autobahn mit je zwei Fahrbahnen, zwei für die Eisenbahn mit je einem Gleis.

An der Ausschreibung für den Tunnel beteiligen sich neun Baukonsortien. In diesen sind auch fünf deutsche Unternehmen vertreten: Züblin, Wayß und Freytag, Max Bögl, Johann Bunte und Hochtief.

Um den Bau des Tunnels möglich zu machen, hatten Deutschland und Dänemark bereits 2008 einen umstrittenen Staatsvertrag für eine feste Fehmarnbelt-Querung unterschrieben. Der Staatsvertrag wurde 2009 ratifiziert und damit rechtskräftig. Die Planer zogen zunächst auch den Bau einer Brücke in Erwägung, bevor die Entscheidung für einen Tunnel fiel. Dänemark soll die Röhre bauen und die Kosten tragen und kann dafür von künftigen Nutzern Mautgebühren erheben. Deutschland will die sogenannte Hinterlandanbindung ab Puttgarden ausbauen.

Teure Anbindung auf deutscher Seite

Mit der Planung dieser Anbindung kommt Deutschland allerdings nur schleppend voran. Unklar bleibt bislang, ob die leistungsschwache Brücke über den Fehmarnsund ertüchtigt oder womöglich durch einen Tunnel ersetzt werden soll. "Es gibt dazu keine Entscheidung", monierte jüngst Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD).

Schuld an dieser Verzögerung ist nicht nur der für die Finanzierung zuständige Bund. Das Land Schleswig-Holstein hat es lange versäumt, das Projekt für den Bundesverkehrswegeplan anzumelden. Das sei Meyer zufolge nun nachgeholt worden: Er habe, betont der Minister, "dem Bund mehr als deutlich gemacht, dass es ein riesiges Problem darstellen würde, wenn der Fehmarnbelt-Tunnel fertig ist und wir dann ein Nadelöhr anbieten."

Nämlich dann, wenn aus dem Tunnel je zwei Straßen- und Schienentrassen ankommen und an der Brücke über den Fehmarnsund im Süden der Insel - also zwischen Fehmarn und dem deutschen Festland - auf nur je eine Spur treffen. Optimistische Schätzungen rechnen damit, dass ein Ersatz der Fehmarnsund-Brücke mindestens zwölf Jahre dauern würde, ein solches Bauwerk also frühestens 2026 stehen würde.

Die Gesamtkosten der Hinterlandanbindung für Straße und Schiene inklusive Ersatz der Fehmarnsund-Brücke veranschlagt der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE mit etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro.

Mit Material der dpa

insgesamt 9 Beiträge
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tuvalu2004 21.08.2014
1. Und was ist an den Fähren so verkehrt?
k.T.
charly2708 21.08.2014
2. Bzw. Was wird aus den Fähren
Da wird es doch wohl auch Widerstand von Seiten der Fährbetreiber geben? Wieso liest man davon nichts in dem Artikel?
zylmann 21.08.2014
3. Die Dänen
sind gut im Brücken und Tunnelbau. Sogar sehr gut! Auch in der Erhaltung wichtiger Straßen. Sollten wir Deutschen uns doch mal die Frage stellen, was machen diese Dänen besser als wir? Hat Helmut Schmidt ,meine ich auch vor einiger Zeit erläutert.
dat_fretchen 22.08.2014
4. Klingt nach ner guten Sache...
...nur sollte die Brücke von Fehmarn Richtung deutschem Festland wirklich ausgebaut werden. Aber dann hat man endlich eine gescheite Verbindung.
Prokrastes 23.08.2014
5. Mit welchem Treibstoff werden die Fähren betrieben?
Diesel? Schweröl? Schiffe jedenfalls haben deutlich laxere Umweltauflagen bei der Abgasreinigung als z.B. LKW. Schiffe machen Lärm im Wasser. Und Schiffe hinterlassen auch gerne mal Ölspuren. Daß das Durchpflügen des Meeresgrundes für den Tunnelbau auch nicht harmlos ist, will ich nicht bestreiten. Nur: Das wird einmal gemacht, und dann ist jahre- bis idealerweise jahrzehntelang Ruhe. Anders als bei im Stunden- (oder was auch immer für einem) Takt fahrenden Fähren.
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