Feldbusch-Interview "Mach mal den Blubb"

Von Telegate bis Otto-Versand. Reklamestar Verona Feldbusch, 33, über spießige Kampagnen, skeptische Auftraggeber und ihren eigenen Werbewert.


Egal ob Telefonauskunft ...
DPA

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SPIEGEL:

In Bonn läuft eine Ausstellung über Stars in der Werbung, bei der die Besucher ihren Lieblingsprominenten küren können. Was glauben Sie, wer klar in Führung liegt?

Feldbusch: Ich nehme mal an, dass Thomas Gottschalk und Günther Jauch weit vorne liegen. Aber ich denke, dass ich auch dazugehöre ­ das sagen zumindest die Statistiken der Unternehmen, für die ich werbe.

SPIEGEL: Sie sind mit Abstand die Nummer eins, genauso unangefochten wie bei der Zahl Ihrer Werbeauftritte. Haben Sie selbst noch den Überblick?

Feldbusch: Sicher. Wichtig ist, dass die Produkte zu mir passen. Ich möchte sie nicht als lebensnotwendige Artikel verkaufen nach dem Motto: Das müsst ihr alle haben, sonst führt ihr ein unglückliches Leben. Zu mir passen Produkte, die ich mit Witz und Sympathie verkaufen kann, keine ernsthaften Nachrichten an die Verbraucher ­ das würde unecht und aufgesetzt wirken.

SPIEGEL: Wenn man wie Sie von Spinat bis Karstadt alles promotet, leidet die Glaubwürdigkeit. Verlangen die Unternehmen keine Exklusivklausel?

... oder Schauma-Shampoo ...
AP

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Feldbusch: Im Nachhinein mag das seltsam aussehen, aber meine ersten Auftraggeber hätten nie damit gerechnet, dass noch so viele nachkommen. Selbstverständlich gibt es aber eine produktbezogene Exklusivität mit jedem meiner Werbepartner. Und dass es mit meiner Glaubwürdigkeit trotzdem keine Probleme gibt, zeigt sich doch schon daran, dass DaimlerChrysler, ein Weltunternehmen, mich erst letztes Jahr mit dem Smart unter Vertrag genommen hat, als sechster Werbepartner.

SPIEGEL: Sie sollen sich in die Gestaltung der Spots recht heftig einmischen.

Feldbusch: Ja, in jedem meiner Verträge steht, dass ich die Drehbücher umschreiben kann. Davon mache ich reichlich Gebrauch. Bei Iglo habe ich zum Beispiel schon früh vorgeschlagen, dass ich mich auf die Suche nach dem Blubb mache und ihn als eigenständige Figur sehe. Vielen Verantwortlichen schien das nicht ernsthaft genug. Dann haben wir den ersten Spot doch so gedreht, dass ich mich mit dem Blubb unterhalte. Heute bittet mich jeder Zweite auf der Straße: Mach doch mal Blubb!

oder Spinat: Verona wirbt für alles
DPA

oder Spinat: Verona wirbt für alles

SPIEGEL: Ihre Fernsehshows wie derzeit "Einfach Verona" auf Sat.1 laufen eher mäßig. Am besten funktioniert Ihr Werbegeschäft. Wie kommt das?

Feldbusch: Ich würde behaupten, die Show läuft gut, denn immerhin verdreifache ich die Quote auf dem schwierigen Sendeplatz am Samstag um 18 Uhr. Aber zugegeben: In den letzten Jahren kennt man mich überwiegend aus der Werbung, wo auch mein Hauptverdienst liegt.

SPIEGEL: Für Unternehmen bergen prominente Werbefiguren immer das Risiko, dass private Skandale das Image der Produkte lädieren. Wie haben die Firmen auf Ihren Weinkrampf bei Johannes B. Kerner reagiert?

Feldbusch: Die gehen damit ganz rational um. Solange die Zuschauer mich mögen und mir glauben, bleibt alles, wie es ist ­ und ich auch: Wenn ich weinen muss, weine ich eben.

SPIEGEL: Meistens werden Sie gebucht, weil Sie selbstironisch mit eigenen Schwächen umgehen. Geht Ihnen das Dummchen-Image nicht langsam selbst auf die Nerven?

Veronas Warenwelt
DER SPIEGEL

Veronas Warenwelt

Feldbusch: Ich bin, wie ich bin, nämlich nicht perfekt. Stimmunterricht und Atemübungen habe ich abgelehnt. Ich bin nur gut, wenn ich spontan bin und schnell rede. Wenn ich mich auf meinen Atem konzentriere, damit die Stimme tiefer wird, dann klinge ich wie manch ein hölzerner Moderator, der seine Schwächen mit Gewalt verbergen will.

SPIEGEL: Was machen Sie selbst zu Hause in den Werbepausen?

Feldbusch: Ich schau mir gern Reklame an, wenn es nicht gerade um porentief rein waschende Waschmittel und glückliche Großfamilien mit frisch gebadeten Hunden geht. Das ist mir zu spießig. Da würde es nicht schaden, ein bisschen Witz reinzubringen oder mehr Realität.

INTERVIEW: MARCEL ROSENBACH



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