Gefährliche Fensterheber Softwareupdate bei über einer Million Tesla-Autos in den USA

Noch ein Softwareproblem: Bei gleich mehreren Modellen muss Tesla nachbessern, weil man sich an den Fenstern die Finger einklemmen kann. Der Hersteller steht derzeit im Fokus der US-Behörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit.
Tesla Model X. Betroffen sind auch die Modelle 3, Y und S

Tesla Model X. Betroffen sind auch die Modelle 3, Y und S

Foto: Marcio Jose Sanchez/ AP/dpa

Der Elektroauto-Hersteller Tesla muss in den USA bei fast 1,1 Millionen Fahrzeugen wegen Sicherheitsbedenken ein Softwareupdate aufspielen. Die Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit (NHTSA) verweist auf eine Fehlfunktion bei mehreren Tesla-Modellen beim automatisierten Schließsystem der Fenster. Autoinsassen laufen demnach Gefahr, sich die Finger einzuklemmen.

Tesla-Fahrzeuge verfügen – wie die meisten elektrischen Fensterheber – über Sensoren, die automatisch Widerstände erkennen und das Schließen der Fenster stoppen sollen. Bei einigen Fahrzeugen der Modelle 3, Y, S und X würden Widerstände jedoch nicht immer zuverlässig erkannt, warnte die NHTSA. Tesla erklärte, das Unternehmen habe bislang keine Kenntnis von Unfällen oder Verletzungen durch die Fehlfunktion.

Das Problem soll nun mit einem Softwareupdate behoben werden. Betroffene Autobesitzer werden darüber ab dem 15. November benachrichtigt und müssen dafür offenbar nicht in die Werkstatt – Tesla ist bekannt für sogenannte Over-the-Air-Updates, die über das Handynetz eingespielt werden. Ob auch in Europa verkaufte Autos betroffen sind, ist bislang nicht bekannt.

Problematisch dabei ist, dass Tesla in diesem Jahr bereits mehrere derartige Aktionen in den USA durchführen musste. Lange Zeit hatte das Unternehmen Softwareupdate ausgeführt, ohne die Halter oder die Aufsichtsbehörden darüber zu informieren.

»Ungelernte Test-Ingenieure«

In den vergangenen Monaten war Tesla jedoch in den Fokus der NHTSA gerückt. Die Aufsichtsbehörde leitete etwa eine Untersuchung nach mehreren Kollisionen von Teslas mit Einsatzfahrzeugen ein.

Tesla hat außerdem Ärger wegen seiner unter Namen wie »Autopilot« und »Full Self-Driving« vermarkteten Fahrassistenzprogramme. Eine US-Kanzlei reichte vorige Woche Klage im Auftrag eines Tesla-Besitzers ein, der dem Unternehmen von Techmilliardär Elon Musk irreführende Werbeversprechen vorwirft. Eine Stellungnahme von Tesla dazu lag zunächst nicht vor.

Tesla habe die Öffentlichkeit beim Bewerben der Programme getäuscht, heißt es in der Klage. Der Hersteller habe seit 2016 suggeriert, dass seine Technologien für selbstfahrende Autos schon voll funktionsfähig seien oder kurz davorstünden. Doch tatsächlich sei die Software noch unausgereift und unsicher. Die Versprechen hätten sich »wieder und wieder als falsch herausgestellt«. Kunden, die Updates der Programme erhielten, seien quasi als »ungelernte Test-Ingenieure« unterwegs.

mamk/AFP/dpa-AFX
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