Ferienclub für Millionäre Jet-Setten in die Pleite

Es schien das perfekte Geschäftsmodell: Exklusive, diskrete Luxusreisen für Millionäre, samt Privatflugzeugen, Privatköchen und Privatstränden. Doch jetzt hat Tanner & Haley Resorts, Pionier der Branche, Insolvenz angemeldet - die Kosten der VIP-Ansprüche lassen sich nicht länger decken.

Von , New York


New York - Es ist der ultimative VIP-Club. Er hat derzeit 874 Mitglieder, allesamt Milliardäre oder Multimillionäre, die eine Aufnahmegebühr von je bis zu 1,14 Millionen Dollar gezahlt haben - plus fünfstellige Jahresgebühren. Dafür erhalten sie, so das Firmenmotto, einen "Fünf-Sterne-Dienst, auf den Verlass ist". Sprich: frei verfügbare, exklusive Luxus-Feriendomizile in aller Welt, meist an den exotischsten Adressen.

Bahamas-Insel, Rückzugsort für Milliardäre: Endlose Mega-Ansprüche sind nicht mehr zu finanzieren
DPA

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Tanner & Haley Resorts, ein Ferienclub der ganz besonderen Klasse mit Firmensitz im US-Bundesstaat Connecticut, ist ein Geheimtipp unter den reichsten Amerikanern. 1998 vom früheren Aktienbroker und Profi-Skier Rob McGrath gegründet, gilt dieser "Club der Clubs" für "außerordentliche Menschen", so die pompöse Eigenwerbung, als Trophäe der gehobenen Lebensart. Nicht umsonst rühmt sich McGrath als Pionier einer neuen, viel versprechenden Luxusbranche: "Luxpitality" - ein Wortzwitter aus "luxury" und "hospitality" (Gastfreundschaft).

Die Club-Mitglieder genießen das ganze Jahr über unbeschränkten Zugang zu Nobel-Villen, Ferienwohnungen, Hotelsuiten, Yachten und fein abgeschirmten Strandsiedlungen. Die 61 Liegenschaften, die dem Club direkt gehören, sowie 100 weitere, die er managt, befinden sich in den Bahamas, in Cabo San Lucas, im karibischen St. Kitts and Nevis, in den amerikanischen VIP-Zielen Telluride, Jackson Hole, Stowe, Lake Tahoe und Sun Valley, auf der hawaiianischen Insel Maui und in Belize.

308 Millionen Dollar Schulden

Ausgestattet sind die Immobilien mit dem Allerfeinsten: Bettwäsche der Nobelmarke Anichini, Marmor-Küchen von Sub-Zero/Wolf, Molton-Brown-Kosmetika und Wellness-Produkte, private Weinkeller und Privatköche. Zum sorgenfreien Pendeln dorthin offeriert Tanner & Haley außerdem seine eigenen Club-Jets - Jet-Setten, wie es im Buche steht.

Eine brillante Geschäftsidee, möchte man meinen. Doch leider, so stellt sich heraus, nur auf dem Papier: Zum Schock seiner düpierten Mitglieder hat Tanner & Haley jetzt, trotz aller hochfliegenden, hochtrabenden Ansprüche, still und leise bei einem US-Konkursgericht in Bridgeport/Connecticut Insolvenz angemeldet.

Die Zahlen lügen nicht. Im vorigen Jahr landete das Unternehmen, obwohl es durch seine Mitgliedsbeiträge 42,6 Millionen Dollar Umsatz machte, um 64 Millionen Dollar in den Miesen. Der Insolvenzantrag beziffert Schulden von 308 Millionen Dollar, inklusive Mitglieder-Einlagen, derweil sich die Immobilienwerte gerade mal auf 130 Millionen Dollar beliefen.

Peinliche Erkenntnis: Mit den Reichen lässt sich kein Geld verdienen. Das Geschäftsmodell der exklusiven Sommerfrische, so räumte Tanner & Haley in einem Brief an seine Kunden "mit tiefem Bedauern" ein, habe sich als "unhaltbar" erwiesen. Wobei der Club die Schuld daran eiskalt den eigenen, verwöhnten Mitgliedern zuschiebt: Deren endlosen Mega-Ansprüche und "Reise-Anliegen" - die man natürlich anstandslos habe erfüllen müssen - seien durch die Umsätze allein nicht mehr zu decken gewesen. Hinzu komme "harte Konkurrenz" auf dem Luxusreisemarkt. Jet-Setting in den Konkurs: "Für die Company", heißt es, "wurde es schwierig, die Rechnungen zu zahlen."

Insgesamt 50 unversicherte Gläubiger nennt der Insolvenzantrag. Die allermeisten davon sind Club-Mitglieder, die nun fürchten, dass ihnen ihre Millionen-Einlagen davonschwimmen - und deren bisherige Anonymität somit futsch ist. Darunter: Len Lauer, COO von Sprint Nextel; die Venture-Spekulanten Scott Walchek und Will VanLoh; Stephen Kaplan, Direktor des Kino-Konzerns Regal; Investment-Starmanager Nick Thakore, Gregory Wendt, Boyd Fellows und Mark Houghton-Berry; Immobilienfonds-Chef Scott Rechler; Dennis Kavelman, Finanzchef des Blackberry-Herstellers Research In Motion, sowie John Georgius, Ex-Präsident der First Union Bank.

Um weiter im Geschäft zu bleiben, erklärte Tanner & Haley in seinem Offenbarungseid, brauche der Reiseveranstalter der Millionäre dringend Cash. Ein Bankenkonsortium habe zur Zwischenfinanzierung zehn Millionen Dollar bereitgestellt. Weitere 85 Millionen stünden in Aussicht. Doch keine Sorge: Man beabsichtige selbstverständlich, "alle bisher eingegangenen Reise-Verpflichtungen im Prinzip zu erfüllen".



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