Fernsehrechte Fußballvereine haben Bedenken gegen Kirch

Leo Kirch will fünf Jahre nach seiner Pleite zurück ins Fußballgeschäft: Mit seinem Angebot, pro Saison 500 Millionen Euro für die Bundesliga-Fernsehrechte zu zahlen, stürzt er die Deutsche Fußball Liga in ein Dilemma: Soll sie dem Mann noch einmal trauen? Einige Vereine haben Vorbehalte.


Hamburg - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) erhofft sich Klärung auf einer morgen stattfindenden Sondersitzung: Soll sie einem Konglomerat um den einstigen Medien-Mogul Leo Kirch, der sie einst in die größte Finanzkrise ihrer Geschichte gestürzt hat, vertrauen oder nicht? Der 80 Jahre alte Unternehmer, der die Liga wegen der Insolvenz von KirchMedia vor fünf Jahren Millionen gekostet hat, ist gewillt, die Vermarktung der TV-Rechte im Profifußball zu übernehmen.

Fußball im Fernsehen: 500 Millionen Euro pro Saison
DDP

Fußball im Fernsehen: 500 Millionen Euro pro Saison

Nach SPIEGEL-Informationen hat Kirch für die kommenden drei Jahre pro Saison 500 Millionen Euro, zusammen also 1,5 Milliarden Euro für die Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga geboten. Für das Geschäft hat Kirch sich mit hochkarätigen Fachleuten umgeben.

Morgen wird die DFL auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main die 36 Proficlubs über die Rahmenbedingungen der möglichen Zusammenarbeit mit Kirch und dessen Agentur KF 15 informieren. Berichten zufolge soll ein Sender mit dem Namen "Bundesliga TV" vorgestellt werden, der Spielberichte und Interviews an Privatsender, Satellitenfirmen sowie Kabelnetzbetreiber verkaufen soll.

Es gibt allerdings Bedenken in der Liga. "Wenn das denn so wäre, müssten einige Dinge geklärt werden", sagte der ehemalige Ligapräsident und Sprecher der Geschäftsführung von Bundesligist Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser. Der ehemalige Ligasekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ergänzte: "Mit dem Namen Kirch ist die größte Krise seit dem Bundesliga-Skandal verknüpft."

Auch mehrere Clubs haben Vorbehalte gegen Kirch geäußert, die der 80-Jährige wohl nur durch eine hohe Bankbürgschaft ausräumen kann. Der Zusammenbruch des Medienimperiums im Frühjahr 2002, zu dem neben dem Bezahlsender Premiere auch eine Vermarktungsagentur und die Sender ProSieben, Sat.1, Kabel Eins und N24 gehörten, hatte der Liga dreistellige Millionenverluste beschert. Einige Clubs, die langfristige Verträge mit hochbezahlten Spielern eingegangen waren, standen damals am Rande des Ruins.

60 Millionen Euro mehr pro Saison als Bedenken-Killer

Zuletzt hatte der deutsche Profifußball 440 Millionen Euro pro Saison aus der TV-Vermarktung kassiert. Mit der deutlich höheren Summe will Kirch die 36 Profi-Vereine ihre Bedenken gegen ihn vergessen machen.

Der DFL-Geschäftsführung, Christian Seifert, wurde beauftragt, den bestmöglichen Abschluss für die Liga hinzubekommen, heißt es. Das mögliche Kirch-Comeback ist demnach zumindest eine weitere Option für die DFL und den Ligaverband. Das Szenario könnte so aussehen: Die Liga verkauft die Rechte nicht direkt, sondern überträgt dieses an die ausgewiesenen Fachleute der neuen Kirch-Firma KF 15. Die garantiert die 60 Millionen Euro mehr als bisher pro Saison, und ein Mehrerlös könnte geteilt werden. Der Prozentsatz ist wohl noch zu verhandeln. Gewiss ist, dass die DFL im Ausland mehr erlösen wird. Es bleibt aber die Frage, was die EU zu diesem möglichen Deal sagen wird.

Als Vergleichsmarkt mag der französische dienen: Da zahlt Canal plus für alle Rechte - einschließlich Internet und Free-TV - 600 Millionen Euro und verkauft alles weiter. Und es lässt sich nicht behaupten, dass französischer Ligafußball spannender wäre als die Bundesliga. Insofern gibt es für Seifert noch Luft nach oben.

kaz/sid/AFP



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