Fernsehwerbung 007 im TV – durch neue Regeln illegal

Die EU-Minister sollen kommende Woche über neue Regeln für TV-Werbung entscheiden. Der derzeitige Entwurf sieht ein Verbot für bezahlte Produkt-Platzierungen vor. Wird er angenommen, könnte das absurde Folgen haben - so wäre die Ausstrahlung von Bond-Filmen im deutschen TV verboten.


Brüssel - Die EU-Kommission hatte ursprünglich neue Fernseh-Werberegeln vorgeschlagen, die das bezahlte Platzieren von Produkten in Filmen erleichtern sollen. Damit die Verbraucher nicht manipuliert werden, soll auf die Werbung hingewiesen werden.

Nach deutscher Kritik liegt den Mitgliedsstaaten nach Angaben aus der EU-Kommission am kommenden Montag nun aber ein Kompromissvorschlag vor, der ein Verbot bezahlter Produktplatzierung vorsieht. Ausnahmen davon solle es nur geben, wenn ein EU-Staat national Produktplatzierung ausdrücklich erlaubt.

Kommissionsbeamte warnten laut Nachrichtenagentur Reuters, damit drohe "eine absurde Situation". Sollte der Vorschlag wirklich so verabschiedet werden, dürften im deutschen Fernsehen beispielsweise keine James Bond-Filme mehr gezeigt werden, bis Deutschland Produktplatzierung national doch noch erlaubt. Angesichts der Mitsprache der Bundesländer könne solch ein Gesetz aber lange auf sich warten lassen, warnte ein Kommissionsexperte.

In der Zwischenzeit sei die Kommission dann verpflichtet, rechtliche Schritte bis hin zu einer Klage vor dem höchsten EU-Gericht in Luxemburg anzustrengen, falls doch James Bond oder andere Filme mit Product Placement gezeigt werden. Der britische Geheimagent hat in mindestens drei Filmen einen BMW gesteuert; im Bond-Film "Die Another Day" brachten insgesamt 20 Firmen ihre Produkte unter und bezahlten dafür 70 Millionen Dollar (rund 55 Millionen Euro).

Verabschiedung 2007 erwartet

Die Bundesregierung habe ihre Kritik an der bezahlten Produktplatzierung in den EU-Verhandlungen mit dem Schutz der Verbraucher und der Sicherung redaktioneller Unabhängigkeit begründet, wie ein EU-Diplomat sagte. Es dürfe nicht sein, dass Unternehmen Einfluss darauf nähmen, wie ihre Produkte im Film gezeigt werden.

Die Regeln zur Produktplatzierung gehören zu den umstrittensten Punkten der neuen Fernsehrichtlinie. Sie soll einheitliche Regeln für Programme schaffen und für Übertragungen über Kabel, Satellit, Internet oder herkömmliche Ausstrahlung gleichermaßen gelten. Einbezogen wird auch Abruf-Fernsehen, so genanntes Video on Demand. Die Regeln gelten nur für ein redaktionell gestaltetes Angebot. Die Mitgliedstaaten können zudem ihren nationalen Fernsehanbietern strengere Regeln vorgeben. Sie könnten sich aber nur eingeschränkt gegen die Verbreitung von Programmen aus anderen Ländern wehren, die strengere nationale Regeln nicht einhalten.

Die Pläne werden am Montag nicht nur vom EU-Ministerrat, sondern auch vom Kulturausschuss des EU-Parlaments beraten. Eine Verabschiedung wird erst im kommenden Jahr unter deutschem EU-Vorsitz erwartet.

itz/Reuters



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