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Reisen Fest für zwölf

Vielflieger sollen ihre Prämien für Bonusmeilen künftig als geldwerten Vorteil versteuern.
aus DER SPIEGEL 4/1995

Ein Gratisflug nach Thailand oder ein kostenloser Kurzurlaub an der türkischen Riviera - das sind prestigeträchtige Freuden, die Vielflieger bei der Lufthansa genießen können.

Der gestreßte Manager kann es auch bodenständiger haben. Ohne Entgelt richtet die Airline ihm auf Wunsch daheim ein Fest für zwölf Freunde aus.

Das System funktioniert so: Die geflogenen Meilen schreibt die Lufthansa jedem Fluggast, der am Programm teilnimmt, auf einem persönlichen Konto gut. Auch Übernachtungen in Vertragshotels und die Entscheidung für bestimmte Autoverleiher bringen Bonusmeilen.

»Unser Bonus für Ihre Treue« lautet der Merkspruch der Lufthansa. Wer viel und immer wieder mit der deutschen Gesellschaft um den Globus jettet, wird belohnt (siehe Grafik). Ähnliche Verlockungen halten inzwischen fast alle großen Fluggesellschaften bereit.

In dieser Woche droht dem schönen System der Luxusprämien für weltläufige Jetsetter Gefahr. Am Montag und Dienstag beraten in Bonn die Einkommensteuerreferenten des Bundes und der Länder darüber, ob Gratisflüge für Manager rechtlich mit dem Trinkgeld für Kellner gleichzusetzen sind.

Das Ergebnis der Prüfung steht bereits fest. Der Lohn für »Treue« ist ein ganz banaler »geldwerter Vorteil« und damit Einkommen, das wie Trinkgeld einem Arbeitnehmer »von einem Dritten für eine Arbeitsleistung« im Rahmen »eines Dienstverhältnisses« zufließt.

Darauf sind Steuern fällig. Das aber nimmt dem Werbekonzept »Miles & More« der Lufthansa und anderer Fluggesellschaften in Zukunft viel von seiner Wirkung.

Die Gleichsetzung von Manager-Bonus und Klimpergeld für den Kellner in der Eckkneipe scheint abwegig, doch steuerrechtlich ist sie schlüssig. Ihre prämienträchtigen Meilen sammeln die Vielflieger ganz überwiegend auf Dienstreisen.

Das Ticket bezahlt also der Arbeitgeber, er setzt den Preis von der Steuer ab. Die Prämie aber steht ausdrücklich nur dem Fluggast zu. Das ist nach deutschem Steuerrecht, wie etwa eine kostenlose Dienstwohnung, als »geldwerter Vorteil« zu versteuern.

Bisher versuchte die Lufthansa das Eindringen der Steuerrechtler in ihre internationale Welt mit vielerlei Einwänden zu verhindern. Eine »ziemlich absurde Haltung« sieht Lufthansa-Sprecher Peter Höbel bei den Steuerreferenten. Demnächst müsse man wohl auch noch Steuern zahlen, weil man während der Arbeit im Büro daheim Heizkosten spare, höhnt er.

Unpraktikabel sei eine Besteuerung ohnehin, meint Lufthansa-Mann Höbel. Auch für private, aus versteuertem Einkommen bezahlte Tickets würden Prämien-Meilen angerechnet, die seien von Dienstreisenmeilen nicht zu scheiden. Außerdem seien die Prämienflüge wegen langer Voranmeldungsfristen nicht einfach wie Linienflüge zu bewerten. Vollends unmöglich sei es, »Erlebnisprämien« wie ein Fahrertraining mit Prominenten bei BMW in steuertauglichen Geldwert umzurechnen.

Die Referenten sind davon bislang noch nicht sonderlich beeindruckt. Die Rechtslage sei in den meisten Industrieländern wie hierzulande: Eigentlich müßten Steuern erhoben werden, bislang aber würden sie nicht verlangt. Das könne sich rasch ändern.

Über eines sind sich die Fachleute einig: Sollte Finanzminister Theo Waigel, Großaktionär der Lufthansa, eine Prämiensteuer aus politischen Gründen nicht wollen, müßte er das Parlament bemühen, um die geltenden Gesetze zu ändern.

Nur für die Vergangenheit sind die Bürokraten zur Großzügigkeit bevollmächtigt: Die Prämien der Jahre 1993 und 1994 sollen für die Steuerbeamten tabu sein. Y

[Grafiktext]

Beispiele für Prämien der Lufthansa

[GrafiktextEnde]

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