Festnetzkunden betroffen Adresshändler beuten Telekom-Daten aus

Tausende Namen, Bank- und Geburtsdaten in den Händen von Adresshändlern: Informationen von Telekom-Festnetzkunden sind einem "Stern"-Bericht zufolge auf den Schwarzmarkt gelangt. Der Konzern will Anzeige erstatten - und legt Wert darauf, dass es sich nicht um seine Originaldaten handelt.


Hamburg/Bonn - Die Adresshändler und Callcenter im Zentrum der Affäre sollen sich Zugriff auf Namen, Adressen, Vertragsdaten und Bankverbindungen von mehreren tausend Festnetzkunden der Deutschen Telekom Chart zeigen verschafft haben. Das berichtet der "Stern" mit Verweis auf Insider. Ihnen zufolge werden derzeit viele zehntausend streng vertrauliche Kundenprofile auf dem Schwarzmarkt angeboten.

Telekom-Rechnung: Herkunft der gehandelten Daten unklar
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Telekom-Rechnung: Herkunft der gehandelten Daten unklar

4000 davon sollen laut "Stern" von dem Bonner Konzern stammen. Anders als bei früheren Datenmissbrauchsfällen bei der Telekom beinhalten die Datensätze diesmal alle Bank- und Geburtsdaten. Einige Kunden würden sich bereits über illegale Abbuchungen von ihren Konten beschweren.

Laut Bericht sind diesmal ausschließlich Kunden betroffen, die ihren Festnetz- und Internet-Anschluss bei der Deutschen Telekom haben. Ein Telekom-Sprecher erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, er könne sich die Herkunft der Daten nicht erklären. Der Konzern werde Anzeige erstatten.

Bisher habe der "Stern" der Telekom 200 Datensätze zur Überprüfung vorgelegt. Hieraus sei ersichtlich, dass es sich nicht um Telekom-Datenlisten handele. So stünden bei einigen Namen Bankverbindungen, von denen die Telekom gar keine Kontonummern habe, da diese Personen als Barzahler geführt würden. Bei anderen seien andere Konto- oder Geburtsdaten verzeichnet als die, über die die Telekom verfüge. "Aber wir schließen nicht aus, dass in dem Material auch Daten von der Telekom enthalten sind." Es handele sich jedoch um ein Branchenproblem, kein reines Telekom-Problem.

Penetrante Werbung, gefälschte Auftragspost

Die Telekom werde alle Genannten anschreiben, sobald der "Stern" die Liste mit den 4000 Datensätzen übergeben habe, sagte der Sprecher.

Auch Sicherheitschef Volker Wagner sagte, es handle sich nicht um Originallisten aus einem Telekom-System: "Zum einen stimmt die Form nicht; zum anderen sind Angaben zu Bankverbindungen und Geburtsdaten teilweise unterschiedlich zu unseren Kundendaten." Es werde vermutet, dass Adresshändler oder Callcenter Telekom-Listen mit Informationen aus anderen Quellen angereichert haben.

Die Datensätze werden dem Bericht zufolge illegal von Vertriebsfirmen genutzt. Dutzende Telekom-Kunden, deren Namen auf den Listen stehen, berichteten von unangenehmen Erfahrungen. Sie seien unter anderem "penetranter Werbung ausgesetzt" gewesen oder erhielten gefälschte Auftragspost von Internet-Firmen, Versicherungen und Glücksspiel-Anbietern.

Vor allem das Internet-Unternehmen Freenet trat zeitweise massiv auf - Betroffene berichteten von unerklärlichen Abbuchungen von ihrem Konto zugunsten von Freenet. Auf Anfrage teilte Freenet mit: "Wir hatten über eine geraume Zeit mit unseriösen Praktiken von Vertriebspartnern zu kämpfen."

Zusammenarbeit mit externen Vertriebsfirmen beendet

Das neue Datendebakel ist ein weiterer Vorfall in einer Kette von Verfehlungen, Pannen und Skandalen bei der Telekom. Sieben Anzeigen erstattete der teilstaatliche Konzern bislang; in 18 Fällen wird wegen Datenmissbrauchs ermittelt.

Im jüngsten Fall muss sich die Konzernspitze möglicherweise eine Mitverantwortung ankreiden lassen. Denn die Datensätze sind wohl zu einer Zeit abhanden gekommen, zu der die Telekom selbst vehement auf Kundenfang ging: zwischen Jahresbeginn und Spätsommer 2007. Damals warb das Unternehmen massiv für seine neuen Internet-Tarife. Allerdings lag der im November 2006 ins Amt gehobene Vorstandschef René Obermann gleichzeitig im Clinch mit der eigenen Belegschaft; es ging um Auslagerungen und Lohnkürzungen. Im Mai 2007 kam es sogar zum Streik.

In dieser Konfliktsituation setzte die Deutsche Telekom verstärkt externe Vertriebsfirmen ein, sie verlor über die Aktion jedoch offenbar die Kontrolle. Mit Hilfe dieser Firmen erhielt der Konzern Kundenlisten - ohne Bankkontakte - zum Abtelefonieren. Diese wurden an ein Heer Tausender Callcenter-Kräfte weitergereicht, die zunächst unkontrolliert im Namen der Telekom auftraten und im Zuge der Auftragswerbung bei den Kunden weitere Angaben wie Bankkontakte abfragten. Ab August 2007 konnten diese Daten von Vertriebsfirmen zudem in einem Telekom-System abgeglichen werden. Erst zu Anfang Oktober 2007 beendete die Telekom die Zusammenarbeit mit vielen kleinen Vertriebsfirmen, nachdem intern aufgefallen war, dass einige unseriös arbeiteten.

kaz

insgesamt 42 Beiträge
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Seite 1
herberger 26.11.2008
1. Persönliche Daten
In erster Linie sollten wir uns selber fragen, wie lax wir mit unseren persönlichen Daten umgehen. Jeden Tag irgendwelche Gewinnspiele, bei den wir unsere persönlichen Daten preisgeben, in der Hoffnung ein Dampfbügeleisen zu gewinnen. Und wenn dann Missbrauch mit unseren Daten getrieben wird, sind das immer die anderen schuld.
stonie, 26.11.2008
2. ist das eine retorische frage?
Zitat von sysopTausende Namen, Bank- und Geburtsdaten in den Händen von Adresshändlern: Informationen von Telekom-Festnetzkunden sind einem "Stern"-Bericht zufolge auf den Schwarzmarkt gelangt. Gehen Konzerne zu lax mit unseren Daten um?
datenschutz ist ohnehin nur ein allgemeiner alibibegriff und in allen bereichen, in denen profitmaximierung das maß aller dinge darstellt, nicht wirklich relevant! als ob es irgendeinen unternehmer, welcher mit werbung und kundendaten sein geld verdient, interessieren würde. und das hier http://www.heise.de/newsticker/Wirtschaftsverbaende-Datenschutzreform-stellt-Wert-der-Werbung-in-Frage--/meldung/119409 setzt dem ganzen erneut die krone auf. nicht einmal die ereignisse um datenhandel/klau der letzten wochen beeindruckt diese leute. da wird gleich eifrig mit dem totschlagargument: arbeitsplätze und steuereinnahmen gewunken. vermutlich wird eine der wenigen brauchbaren ideen seitens hr. schäuble, die unbedingte zustimmung des kunden, bevor er "bespamt" werden darf, einzuholen, für die ach so wichtigen arbeitsplätze geopfert.
Günther_Glamsch 26.11.2008
3.
Wenn ich Kunde eines Unternehmens bin, gebe ich üblicherweise auch eine Reihe von Daten an dieses Unternehmen weiter. Weil es nuneinmal nicht anders geht. Es ist aber das Mindeste, daß die Daten dort sicher sind und nicht von irgendwelchen Hilfskräften eingesehen werden können. Gibt's in den entsprechenden Saftläden keine Datenschutzbeauftragten?
abita 26.11.2008
4.
Zitat von stoniedatenschutz ist ohnehin nur ein allgemeiner alibibegriff und in allen bereichen, in denen profitmaximierung das maß aller dinge darstellt, nicht wirklich relevant! als ob es irgendeinen unternehmer, welcher mit werbung und kundendaten sein geld verdient, interessieren würde. und das hier http://www.heise.de/newsticker/Wirtschaftsverbaende-Datenschutzreform-stellt-Wert-der-Werbung-in-Frage--/meldung/119409 setzt dem ganzen erneut die krone auf. nicht einmal die ereignisse um datenhandel/klau der letzten wochen beeindruckt diese leute. da wird gleich eifrig mit dem totschlagargument: arbeitsplätze und steuereinnahmen gewunken. vermutlich wird eine der wenigen brauchbaren ideen seitens hr. schäuble, die unbedingte zustimmung des kunden, bevor er "bespamt" werden darf, einzuholen, für die ach so wichtigen arbeitsplätze geopfert.
Der Link ist prima. Danke. Allerdings hätte ich von Thilo Weichert so eine Aussage nicht erwartet. Da wird der Datenschutz in der Tat der Gewinnmaximierung der Werbeindustrie untergeordnet. Irgend jemand hat einmal gesagt, Werbung wird gemacht für Dinge, die ein Mensch eigentlich nicht braucht.
stesoell 26.11.2008
5. Strafanzeige.
Jeder Telekom-Kunde sollte eine Strafanzeige gegen die Telekom stellen. Es muss erst rappeln, bevor der Vorstand seine persönlichen Konsequenzen aus den Vorfällen ziehen.
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