Fette Probleme US-Politiker wollen McDonald's vor den Dicken schützen

Amerikanische Abgeordnete wollen heute ein Gesetz beraten, das Fast-Food-Riesen wie McDonald's vor Klagen Übergewichtiger schützen soll. Mit einer Werbekampagne will Washington die Bürger außerdem zu mehr Disziplin beim Essen erziehen.

Washington - Übergewichtigen Verbrauchern soll es nach dem Willen der Abgeordneten in Zukunft verboten sein, gegen Fast-Food-Ketten wegen ihres ungesunden Angebotes vorzugehen. Die Bestimmung umfasst "Hersteller, Vertriebe und Verkäufer von Nahrungsmitteln und nicht-alkoholischen Getränken, die hygienische Standards beachten".

Der Republikaner Tom DeLay sagte vor Journalisten, Fälle von "Ronald McDonald hat mir befohlen, das zu essen", sollen in Zukunft keine Chance mehr haben. "Wenn Du zu viel isst und deshalb krank wirst, ist das Dein Problem, und nicht das des Restaurants", so DeLay. "Solche Klagen machen niemanden dünner", bestätigte der Abgeordnete Ric Keller. "Sie helfen nur, das Bankkonto der Anwälte fetter zu machen."

"Wir sind verdammt noch mal zu dick"

Verbraucherschützer bezeichneten die Initiative jedoch als völlig unnötig. Der Anwalt John Banzhaf, der in der Vergangenheit bereits Prozesse gegen die Tabakindustrie geführt hatte, sagte, Gerichte wiesen ungerechtfertigte Fälle ohnehin ab, dazu brauche es kein Gesetz. "Die Menschen müssen ein Recht auf Klagen haben", so Banzhaf.

Der Fast-Food-Lifestyle der Amerikaner mit zu wenig Sport und zu vielen Computerspielen habe ein "nationales Fettproblem" ausgelöst, sagte Gesundheitsminister Tommy Thompson gestern bei der Präsentation einer neuen Studie zum Übergewicht der Amerikaner. "Wir sind verdammt noch mal zu dick, meine Damen und Herren, und wir werden etwas dagegen unternehmen", so Thompson. Mit einer staatlichen Werbekampagne hat Washington der "Seuche des wachsenden Hüftspecks" deshalb den Kampf angesagt und will die Bevölkerung zu mehr Disziplin erziehen.

Einkaufswagen in den Fängen eines Doppelkinns

Statt Werbung für Fitnessstudios zu machen, setzen die Spots auf einen grundlegenden Lebenswandel. In einer Werbung gibt ein Mann Fettpolster im Fundbüro ab, der Kommentar des Angestellten: "Tja, viele Leute verlieren sie, wenn sie die Treppe an Stelle des Aufzugs benutzen." In einem anderen Spot bleiben die Räder eines Einkaufswagens an einem Doppelkinn hängen, das jemand vor dem gesunden Angebot der Gemüsetheke eines Supermarktes verloren hat.

Fast-Food-Ketten haben als Reaktion auf das "nationale Fettproblem" angekündigt, ihr Angebot mit gesünderen Produkten aufzustocken. McDonald's erklärte bereits vor einigen Tagen, Menus im XXL-Format nicht mehr anbieten zu wollen. Auch Soft-Drink-Hersteller wollen sich der Initiative anschließen.

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