Finanzaufsicht Air Berlin wirft Dresdner Bank Insiderhandel vor

Der Vorstand von Air Berlin tobt: Er wirft der Dresdner Bank vor, fälschlicherweise den Eindruck erweckt zu haben, die Fluggesellschaft stehe vor der Insolvenz. Gleichzeitig habe die Bank Transaktionen mit der Air-Berlin-Aktie vorgenommen. Jetzt hat die Airline die Finanzaufsicht eingeschaltet.


Hamburg - Die Fluggesellschaft Air Berlin hat angesichts der Bewertung ihrer Aktie durch die Dresdner Bank die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) um eine Untersuchung gebeten. Das Verhalten der Dresdner Bank sei in mehrfacher Hinsicht "aufsichtsrechtlich" und möglicherweise auch "strafrechtlich" relevant, schrieb der Vorstandsvorsitzende von Air Berlin, Joachim Hunold, in einem am Freitag an die Behörde versandten Brief.

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Air Berlin bittet demnach die Behörde um eine Untersuchung auf mögliche Marktmanipulation und verbotene Insidergeschäfte und verweist darauf, dass die Bank "unmittelbar vor als auch nach" der Veröffentlichung des Berichts umfangreiche Transaktionen mit Air-Berlin-Aktien getätigt hat.

Außerdem bittet Hunold die BaFin um eine Untersuchung, ob die Bank gegen ihre Sorgfaltspflicht bei der Erstellung des Berichtes verstoßen habe. Die Fluggesellschaft behalte sich auch zivilrechtliche Schritte gegen die Bank vor.

Die Investmentbankabteilung der Dresdner Bank hat nach Angaben der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft den Kurs der Air-Berlin-Aktie am 17. Juli von 5,80 Euro auf Null heruntergestuft und eine Verkaufsempfehlung erteilt. Die Analyse habe den "unzutreffenden Eindruck" erweckt, dass die Airline kurz vor der Insolvenz stehe, kritisierte Air Berlin Chart zeigen. Dieser Bericht habe sich "erheblich negativ" auf den Aktienkurs ausgewirkt.

Der auf den 16. Juli datierte Bericht sei am 17. Juli "unter dem Logo der Dresdner Kleinwort bei Investoren und Presse breit gestreut" worden. So ein Bericht sei "hochgradig geschäftsschädigend", hieß es weiter.

"Wir haben den Vorstand der Dresdner Bank AG mit Schreiben vom 21. Juli und 23. Juli 2008 aufgefordert, den Bericht nicht weiter zu verbreiten." Außerdem verlange Air Berlin, dass das Kreditinstitut öffentlich klarstelle, weder die Bank noch ihre Analysten seien der Ansicht, Air Berlin stehe vor der Insolvenz.

Eine Stellungnahme der Bank sei jedoch "nicht befriedigend" ausgefallen, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft. Der Dresdner-Bank-Vorstand habe lediglich "einen Vermerk der Dresdner Kleinwort Securities Limited übersandt, in welchem diese den Bericht vollumfänglich verteidigt und an ihm festhält".

Eine Sprecherin der BaFin bestätigte den Eingang des Schreibens von Air Berlin. Die Behörde werde nun prüfen, ob an den Vorwürfen etwas dran sei.

Eine Sprecherin von Dresdner Kleinwort sagte SPIEGEL ONLINE, dem Unternehmen liege keinerlei Anfrage der BaFin vor, daher wolle man die Berichte nicht kommentieren. Zu dem Schreiben von Air Berlin wollte sie sich nicht äußern.

kaz/ddp/dpa



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