Finanzbranche Commerzbank-Vorstand verteidigt Bonussystem

Gerade erst hat die Commerzbank ihren Managern Boni im Wert von 600 Millionen Euro gestrichen - jetzt verteidigt Finanzvorstand Strutz die Anreize schon wieder. Das Bonussystem nennt er "per se" nicht schlecht - es sei nur von "manchen Investmentbanken deformiert worden".


Frankfurt am Main - Pauschalkritik will Eric Strutz nicht gelten lassen: Bonuszahlungen seien generell gut, sagte der Finanzvorstand der Commerzbank am Mittwoch in einer Telefonpressekonferenz. "Über die Jahre ist das System nur durch den einen oder anderen Investmentbanker oder die Investmentbanken deformiert worden."

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Bonussystem auf dem Prüfstand
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Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Bonussystem auf dem Prüfstand

Für die Commerzbank könne er allerdings sagen: "Es gibt hier keine Exzesse und es wird auch künftig keine Exzesse geben." Dennoch stelle das Institut sein Vergütungssystem auf den Prüfstand und wolle spätestens in diesem Sommer ein neues Modell präsentieren.

Für das abgelaufene Jahr zahlt der Dax-Konzern seinen Mitarbeitern und Vorstandsmitgliedern ohnehin keinen Bonus, weil der Konzern im Zuge der Finanzkrise vor Steuern ein negatives Ergebnis ausweisen musste. "Es gibt keine Boni, 600 Millionen Euro sind voll gestrichen", sagte Strutz.

Im vergangenen Jahr ist die Commerzbank tief in die roten Zahlen gerutscht. Vor Steuern stand ein Verlust von 378 Millionen Euro zu Buche, teilte das Institut am Mittwochmorgen mit. 2007 hatte das Geldhaus noch ein positives Vorsteuerergebnis von 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Unter dem Strich schaffte das Institut 2008 nur dank einer Steuerrückerstattung einen Mini-Gewinn von drei Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch Abschreibungen in Folge der Finanzkrise.

Die Commerzbank ist nach der Deutschen Bank Chart zeigen die zweitgrößte Bank Deutschlands. Im Zuge der Finanzkrise ist sie teilverstaatlicht worden, 25 Prozent der Anteile gehören dem Bund. Insgesamt 18,2 Milliarden Euro hat die öffentliche Hand dem Institut zur Verfügung gestellt.

Strutz bedauerte, dass die Mitarbeiter trotz ihres Einsatzes keine Sondervergütung bekämen. Viele Abteilungen seien profitabel gewesen, viele Mitarbeiter hätten die erwarteten Leistungen erbracht. "Umso bedauerlicher ist es, dass das Ergebnis nicht für Bonuszahlungen ausreicht."

Die Commerzbank unterscheidet sich in puncto Boni-Streichung deutlich von anderen Instituten. Mehrere Geldhäuser zahlen ihren Managern trotz hoher Verluste für 2008 Extravergütungen. Als Grund geben sie oft vertragliche Verpflichtungen an. Dieses Vorgehen hatte eine hitzige Debatte über die Bezahlungen von Managern neu entfacht.

Die Bundesregierung verlangt von Bankern inzwischen den Verzicht auf Bonuszahlungen. Menschen, die mit sittenwidrigen Niedriglöhnen auskommen müssten, seien zu Recht darüber empört, dass sich Manager aus Steuertöpfen die Taschen vollstopfen wollten, grollte SPD-Chef Franz Müntefering am Montag nach einer Präsidiumssitzung in Berlin.

Auch von Seiten der Bundeskanzlerin kam Kritik. Sprecher Ulrich Wilhelm sagte, es sei "kein gutes Vorgehen", auch bei schlechten Unternehmensergebnissen auf vereinbarten Bonuszahlungen zu beharren. Die Betroffenen sollten sich dies "noch einmal gut überlegen". Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und weitere Mitglieder der Bundesregierung hatten die geplante Ausschüttung von Millionen-Boni an Bankmanager für das Krisenjahr 2008 bereits am Wochenende scharf kritisiert.

Die Große Koalition will nach den Worten von Unionsfraktionschef Volker Kauder die Sondervergütungen für Manager begrenzen. "Wir wollen, dass Bonuszahlungen in Zukunft mehr dem langfristigen Interesse der Firma und nicht dem kurzfristigen Interesse von Managern dienen", sagte er am Montag vor einer Präsidiumssitzung der Union. Die Spitzen von Union und SPD wollten im nächsten Koalitionsausschuss am 4. März neben den bereits geplanten Auflagen für Managergehälter auch über die Bonuszahlungen beraten und entscheiden.

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