Finanzbranche Wie sich Bankkunden erfolgreich gegen Gebühren wehren

Bankkunden klagen über zu Unrecht erhobene Gebühren. Die Zeitschrift "Finanztest" zeigt, an welchen Stellen die Geldhäuser unerlaubt kassieren. Besonders trickreich verhalten sich die Institute, wenn es um Baufinanzierungen geht.


Ihren Kunden greifen Banken und Sparkassen immer wieder in die Tasche. Sie kassieren für Leistungen, die sie eigentlich kostenlos erbringen müssten. Das jedenfalls zeigt ein Leseraufruf der Zeitschrift "Finanztest". 120 Bankkunden haben sich gemeldet und von ihren Erlebnissen mit Banken berichtet.

Banken in Frankfurt am Main: Verärgerte Kunden gibt es fast überall
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Banken in Frankfurt am Main: Verärgerte Kunden gibt es fast überall

Ergebnis: Egal bei welchem Geldhaus: Verärgerte Kunden gibt es fast überall. Mal ändert die Bank die Konditionen für das Online-Girokonto, von denen der Kunde nichts erfährt. Andere Häuser nehmen Entgelte für erbetene Angebote, die aber in keinen Vertrag mündeten.

Die meisten Zuschriften kamen von Postbank-Kunden. Ihrem Marktanteil entsprechend beschweren sich auch Kontoinhaber von Deutscher Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und Citibank, außerdem von Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken.

Immerhin: Bei den Girokonten verstoßen Banken nicht mehr so häufig wie noch vor einigen Jahren gegen die eigenen Preisregeln oder geltendes Recht. Diesen positiven Trend hat auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beobachtet, die in Deutschland federführend bei der juristischen Verfolgung von unzulässigen Bankgebühren ist.

Die Detektivarbeit der Verbraucherschützer wird aber in vielen Fällen komplizierter. Denn die Banken versuchen immer öfter, die Regeln zu umgehen.

Dabei sind die Regeln klar definiert: Banken und Sparkassen sind verpflichtet, im Schalterraum die Preise für ihre wesentlichen Leistungen bekanntzugeben. Für weitere Dienstleistungen dürfen sie Geld verlangen, wenn die Kosten im ausführlichen Preisverzeichnis stehen. Jedem Kunden muss es auf Nachfrage zugänglich sein.

Aber nicht jeder dort aufgelistete Preis ist rechtens. Noch immer kassieren Banken zum Beispiel weit über hundert Euro, wenn sie den Wert eines Hauses für eine Immobilienfinanzierung ermitteln oder nach Abschluss der Baufinanzierung die Löschung der Grundschuld im Grundbuch ermöglichen. Diese Gebühren sind unzulässig.

Banken dürfen auch den Erben eines Verstorbenen keine pauschale Aufwandsentschädigung abknöpfen, bloß weil sie den Nachlass bearbeiten müssen. Viele weitere verbotene Gebühren sind in der Tabelle (siehe Link-Kasten) aufgelistet.

Unzulässig ist eine Gebühr auf jeden Fall immer dann, wenn die Bank mit der Tätigkeit eine gesetzliche Pflicht erfüllt. Deshalb darf sie für eine Löschungsbewilligung der Grundschuld genauso wenig Geld verlangen wie für das Ändern eines Freistellungsauftrags.

Kostenlos müssen auch Tätigkeiten sein, die eine Bank im eigenen Interesse durchführt. Sie muss deshalb gebührenfrei nachforschen, ob eine Überweisung beim Empfänger angekommen ist, und darf auch kein Geld dafür nehmen, dass sie für einen Kredit den Wert einer Immobilie ermittelt.



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