Finanzinvestoren Permira verleibt sich Käpt'n Iglo ein

Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever verkauft den Großteil seine Tiefkühlkostsparte an den Finanzinvestor Permira. Darunter sind auch die Fischstäbchen von Käpt'n Iglo.


Amsterdam - Der Verkaufspreis für die Unilever Chart zeigen-Tiefkühlkostsparte liegt bei 1,73 Milliarden Euro, teilte Unilever heute mit. Der Deal soll bis Ende dieses Jahres über die Bühne gehen, Regulierungsbehörden müssen aber noch zustimmen. Die Herstellung von Speiseeis der Marken Langnese und Magnum will Unilever jedoch in den eigenen Händen behalten.

Käpt'n Iglo: Schwieriges Ringen um Verkauf
Unilever

Käpt'n Iglo: Schwieriges Ringen um Verkauf

Zu dem verkauften Geschäftsbereich gehören auch die Marken Iglo. Unilever hatte im Februar beschlossen, sich von der Sparte zu trennen, da diese seit Jahren hinter den Zielvorgaben des Konzerns zurückgeblieben ist. Grund dafür waren die nach Meinung des Konzerns fehlenden Wachstumsmöglichkeiten für die vor allem unter der Marke Iglo bekannten Produkte zu denen neben den bekannten Fischstäbchen auch Tiefkühlspinat gehört. Bei Tiefkühlkost dominierten Handelsmarken der Discounter den Wettbewerb, hieß es bei der Verkaufsankündigung. Mehrere Beteilungsgesellschaften hatten um die Tiefkühlsparte gerungen, darunter Capvest und JP Morgan Partners.

Betroffen sind von dem Verkauf etwa 3500 Beschäftigte in Europa. In Deutschland hat Iglo rund 1800 Mitarbeiter. Die Produktion ist in Bremerhaven sowie in Reeken im Münsterland, die Verwaltung bei der Unilever-Deutschlandzentrale in Hamburg angesiedelt. Bereits vor zwei Monaten hat Unilever sich aus seinen Spanien-Geschäften zurückgezogen. Neben Iglo stößt Unilever auch die englische Tiefkühlmarke Birds-Eye ab. Betroffen ist außer in Deutschland das Geschäft in acht europäischen Ländern. Nur in Italien will Unilever die Tiefkühlmarke Findus behalten, die dort rund ein Viertel der Erlöse ausmacht. In Deutschland trägt die Tiefkühlkost rund ein Zehntel zum inländischen Gesamtumsatz von 2,4 Milliarden Euro bei.

Permira sehe ein "großes Entwicklungspotenzial" der Marken und Produkte, sagte Thomas Prenz, Mitglied der Permira-Geschäftsführung. "Es gibt selten die Gelegenheit, eine solche etablierte und starke Marke zu erwerben." Es gebe ein "großes Entwicklungspotenzial" der Marken und Produkte. In weiteren Gesprächen mit der derzeitigen Geschäftsleitung will Permira zunächst die organisatorischen Strukturen überprüfen. Der Manager betonte, es ginge nicht um Restrukturierung, sondern um eine Bestandsaufnahme. Angaben zu Arbeitsplätzen machte Krenz nicht. Nach Aussage des Betriebsrates aus dem Werk Reken sei es gelungen, mit Unilever einen Sozialplan und Interessenausgleich zu vereinbaren. Alle Mitarbeiter würden übernommen und eine langfristige Beschäftigungsperspektive gesichert. Alle Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen laufen weiter. Dies gelte auch für das Frozen Fish International (FFI)Werk in Bremerhaven.

Auch Joachim Michael Bokisch, FFI-Geschäftsführer sieht in dem Verkauf eine Chance. Da Permira eine reine Finanzgesellschaft ist und keine eigenen Aktivitäten im Tiefkühlsektor hat, erwartet Bokisch freie Hand für das Iglo-Management. Anders als bei Unilever könnten nun auch neue Marken und neue Produkte wie Fleisch- oder Käseprodukte auf den Markt gebracht werden. Zudem werde Iglo vor allem im Osten Europas neue Märkte erschließen.

Die Investitionen internationaler Finanzinvestoren in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Zahlreiche Konzernlenker sind inzwischen auf die Seite der Finanzinvestoren gewechselt.

tim/nkl/Reuters/dpa-AFX/dpa



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