Finanzkrise Aktienmärkte beruhigen sich

Heftige Kursverluste, Geldspritzen in Milliardenhöhe: Nach den Turbulenzen der vergangenen Tage scheinen die Bemühungen der Notenbanken zu fruchten - die Börsen haben sich weltweit etwas erholt. Noch geben Analysten aber keine Entwarnung.


Frankfurt am Main/New York - Es klang nach Beruhigung und so reagierte auch der Dax Chart zeigen: Nach dem erneuten Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich der deutsche Aktienindex nach den heftigen Kursverlusten der vergangenen Handelstage heute erstmals erholt. Er startete mit einem Plus von 1,78 Prozent auf 7474,33 Punkte in die neue Woche.

Die Anzeigetafel des Dax: Vorsichtige Erholung, aber kein Grund zur Entwarnung
DDP

Die Anzeigetafel des Dax: Vorsichtige Erholung, aber kein Grund zur Entwarnung

Auch der robuste Auftakt der Wall Street nach überraschend starken US-Konjunkturdaten sorgte für zusätzlichen Rückenwind. In New York startete der Handel mit einem Plus: Im späten Handel legte der Dow Jones Chart zeigen Index 0,29 Prozent auf 13.278 Zähler zu und schloss mit einem leichten Minus von 0,02 Prozent auf 13.236 Zähler. Der Nikkei Chart zeigen 225 Index an der Börse Tokio hatte zuvor etwas höher als am Freitag (plus 0,2 Prozent) bei 16.800,05 Punkten geschlossen.

Heute Morgen hatte die EZB - wie bereits in den vergangenen Handelstagen - den Kreditinstituten der Eurozone nochmals 47 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Auch die US-Notenbank und die Bank of Japan hatten mit sogenannten Schnelltendern auf die Liquiditätsengpässe auf den Finanzmärkten reagiert. "An sich ist das sehr positiv und zeigt, dass die Marktmechanismen greifen", sagte ein Händler.

Auch der MDax Chart zeigen erholte sich kräftig um 2,56 Prozent auf 10.185,80 Zähler und der TecDax Chart zeigen um 0,76 Prozent auf 888,90 Punkte. Das größte Plus unter den 30 Dax-Werten fuhr der MAN Chart zeigen-Konzern mit einem Zuwachs von 4,38 Prozent ein. Die Lufthansa-Aktie legte 4,18 Prozent zu, DaimlerChrysler Chart zeigen 3,78 Prozent und ThyssenKrupp Chart zeigen 3,72 Prozent. Dagegen führte die Aktie des Siemens Chart zeigen-Konzerns, dessen Korruptionsaffäre Medienberichten zufolge weitere Kreise zieht, mit einem Minus von 1,04 Prozent die Liste der Verlierer an.

Wenig Änderung gab es beim Euro: Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs am Nachmittag bei 1,3651 Dollar nach 1,3650 Dollar am Freitag fest. Börsianer warnten jedoch vor vorschneller Euphorie. "Wir haben die Subprime-Krise noch nicht überstanden", sagte ein Händler. Das aktuelle Problem mit Kreditausfällen in den USA sei nicht in zwei bis drei Tagen zu lösen.

Christian Schmitt von der Helaba sagte jedoch, es hänge alles davon ab, ob und wann es wieder schlechte Nachrichten im Zusammenhang mit der Hypothekenkrise gebe. "Da wird zurzeit jede noch so kleine schlechte Nachricht mit heftigen Kursabschlägen beantwortet."

Dass die US-Hypothekenkrise noch nicht vorbei ist, bekam heute die Postbank Chart zeigen-Aktie zu spüren. Das Geldhaus hatte am Wochenende mitgeteilt, 600 Millionen Euro, die sie zwei Untergesellschaften des angeschlagenen IKB Chart zeigen-Fonds Rhineland abseits ihrer Bilanz zur Verfügung gestellt hatte, in die eigenen Bücher genommen zu haben. Am Morgen hatte das den Titel tief ins Minus gedrückt, im Laufe des Vormittags konnte sich die Aktie jedoch wieder erholen und lag zuletzt 0,9 Prozent im Plus. Noch besser erging es anderen Finanzwerten: Deutsche Bank Chart zeigen und Commerzbank Chart zeigen erholten sich mit einem Aufschlag von zwei beziehungsweise 2,7 Prozent von den heftigen Kursverlusten der vergangenen Woche.

Die Aktie der Münchener Rück Chart zeigen stieg um 2,7 Prozent auf 129,30 Euro. Ende vergangener Woche hatte ein unbekannter arabischer Fonds mitgeteilt, sich mit bis zu 20 Prozent an dem Münchener Institut beteiligen zu wollen. Auch an der im SDax notierten Comdirect Chart zeigen hat der Investor angeblich Interesse und erwägt laut den Angaben eine Übernahme. Die Comdirect-Aktie schoss daraufhin um über elf Prozent in die Höhe. "Das ist sehr dubios", sagte ein Händler. "Wenn ich investieren will, dann kündige ich das doch nicht vorher an."

Aktien des Halbleiterkonzerns Infineon Chart zeigen profitierten von Gerüchten über ein Übernahmeinteresse des französischen Konkurrenten STMicroelectronics. Infineon legten um 3,25 Prozent auf 11,11 Euro zu. Händler sagten, es gebe das Gerücht, die Franzosen könnten bereit sein, 12,50 Euro je Infineon-Papier zu bezahlen. In der Münchener Zentrale von Infineon wollte man das Gerücht nicht kommentieren.

sam/Reuters/AP



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